Original aus den Archives Autonomies, einem französischsprachigen Online-Archive der dortigen radikalen Linken. Ein Link dazu findet sich hier
Die „Union des Travailleurs Communiste Libertaire“ (UTCL), die „Vereinigung der libertär-kommunistsischen Arbeiter“ ist eine der bedeutensten Organisationen des französischen libertären/anarchistsichen Kommunismus. Sie bestand von 1976 und 1991 und organisierte eine hohe zweistellige Person von Arbeitern, die sich als Teil der libertär-kommunistischen Strömung sahen und zu ihr beitragen wollten. Dazu gehörte in der französischen Strömung primär nicht die Kontinuität einer Organisation, sondern des militanten Engagements miteinander assoziierten Personen, über verschiedene organisatorische Strukturen, Phasen und Entwicklungen hinweg, und so zu einer Kontinuität der politischen Strömung. Die UTCL vereinigte somit Militante, die von den 1920ern an aktiv waren, mit solchen die erst Ende der 80er und Beginn der 90er Jahre politisert wurden, und sich neuen Entwicklungen und Generation aufgeschlossen gegnüber zeigte. Sie war offen für Debatten, kritische Reflexion ihrer Positionen, Aktivitäten und Strukturen, bis hin zum Übergang in neue Strukturen und der Fusion mit anderen Organisationen. Der UTCL lässt sich somit eine große Ernsthaftigkeit attestieren, die ihr militantes Engagements in der libertären Bewegung und den sozialen Basisbewegungen, vor allem in den Gewerkschaften und Betrieben, stehts begleiteten.
In diesem Text reflektiert die UTCL ihre Arbeit seit ihrem bestehen kritisch und zieht eine Bilanz. Der Text entsteht zum Anlass ihrer Auflösung (1991), als die Militanten zur Bildung der „Alternative Libertaire“ beitrugen, einer neuen libertär-kommunistischen Organisation, die klassenkämpferische Positionen beibehielt während sie von ihrem Arbeiter-Fokus abwich und neue Akzente setzen wollte. 2019 vereinigten sich die „Coordination des Groupes Anarchistes“ mit der „Alternative Libertaire“ zur „Union Communiste Libertaire“ (UCL), der weltweit größten und wahrscheinlich einflussreichsten anarchistisch-kommunistischen Organisation. Die UCL baut auf über 100 Jahren militanter Tradition und Engagements, aber auch auf der Offenheit für neue Impulse, wie die Geschichte von Fusionen und neuen Organisationen in der Bewegung belegen.
Aus dieser Tradition und Form der politischen Arbeit kann die kleine, junge und diskontinuierliche anarchakommunistische Bewegung in Deutschland und dem deutschsprachigen Raum bestimmt einiges lernen und mitnehmen. Auch zu diesem Zweck war es mir wichtig diesen Text zu übersetzen und die Übersetzung bereitzustellen. Zu Beginn möchte ich anmerken, dass es zu Teilen schwierig ist die bestimmte Konnotation und Bedeutung adäquat ins Deutsche zu übersetzen. Vor allem das Wort „militant(e)“ war schwierig zu übersetzen. Im deutschen würde es in etwa „Aktivist:in“ bedeuten, was für mich aber nicht die notwendige Ernsthaftigkeit und Selbstdisziplin vermittelte, zumahl es das Wort „activiste“ auch im französischen gibt. Ich habe es also wörtlich als „Militant“ übersetzt, im Bewusstsein der anderen Bedeutung im Deutschen. Ein weiterer wichtiger Begriff für die UTCL ist das Wort „autogestion“, was mit „Selbstverwaltung“ gleichzusetzen ist, dort aber durch die Präsenz einer solchen Bewegung in den Gewerkschaften, ein viel etablierteres und bedeutsameres Wort ist als in der deutschen Sprache. Ich habe es dennoch als „Selbstverwaltung“, „selbstverwaltet“ oder „selbstverwalterisch“ übersetzt. Im französischsprachigen Raum hat „libertär“ eine andere Konnotation als bei uns: es bedeutet „freiheitlich“ in einem sozialistischen Sinne und ist mit „anarchistsich“ gleichzusetzen, auch wenn beide Worte dort existieren.Ich habe auch in meiner Übersetzung in etwa 50 Endnoten eingefügt. Mir war es wichtig, auch für ein mit dem französischen Kontext nicht vertraute Leser:innen, die reichhaltige Geschichte der libertären Bewegung in Frankreich darzustellen und den reichhaltigen Inhalt des Textes zugänglich zu machen.
Seit den ersten Interventionen einer Tendenz „UTCL“ in der „Organisation Revolutionaire Anarchiste“ (ORA) (1) im Herbst 1974, und dem fünften und letzten Kongress der UTCL, im Juni 1991, sind siebzehn Jahre vergangen.
Die Militanten und Militantinnen der UTCL beschliessen heute, am 16. Juni 1991, das Ende einer Struktur, eines Monogramms (2), eines Organisationsrahmens. Sie tun die, um sich vollständig in den Aufbau einer neuen Organisation einzufügen, der sich auf den „Appel“ (3) und den „Collectifs pour une Alternative Libertaire“(4) begründet, einen Projekt, an dem sie seit seinen Anfängen aktiv mitwirken. Diese neue Organisation, Zusammenfinden einer Vielzahl unorganisierter Militanten, der „Collectifs Jeunes Libertaires“ (CJL) (5), und der UTCL, eröffnet die Möglichkeit eines qualitativen und quantitativen Sprung für den libertären „Klassenkampf“, den revolutionären Syndikalismus, den libertären Kommunismus.
Der Kampf, den wir seit 17 Jahren führen, wird sich in einer neuen Form fortsetzen, besser an die gegenwärtige Epoche angepasst, und an der seite von neuen Genossen, auf einer demokratisch entschiedenen Basis der gesamten Mitgliedschaft von „Alternative Libertaire“ (6).
Weit davon entfernt einen Schlussstrich unter unsere Vergangenheit zu setzen, sind wir uns bewusst eine nicht zu vernachlässigende praktische und theoretische Erfahrung mitzubringen, eine Ausbildung, eine soziale Einfügung.
Das „Libertär-kommunistische Projekt“ (7), dass am 4. Kongress der UTCL beschlossen wurde, macht diesen kollektiven Beitrag deutlich. In unserer Bilanz, auf die wir Stolz sein können, werden wir unsere Erfahrungen und Fortschritte schilden, ohne das zu maskieren, was uns als Fehler und Mangel erscheint, sodass wir einige Lehren daraus ziehen können, die auch für den Aufbau der neuen Organisation nützlich sein können.
Die anfänglichen Überzeugung der UTCL lassen sich folgendermaßen zusammenfassen:
Die UTCL wurde durch einen Kern an sehr jungen Arbeitern gestartet, die mit den großen Streiks in den Banken, den „PTT“ (9), den Eisenbahnen. Anhand ihrer Erfahrungen haben sie die Diskurse der extremen Linken und der ORA (zu der Zeit, der quantitaiv stärksten Organisation der libertären Bewegung) untersucht und sich gegen die politische Vorherrschaft der außerhalb der Lage der Arbeiterschaft stehenden Militanten erhoben und gegen deren Konsequenzen:
In diesem Kampf hatten wir, in unseren ersten Jahren, eine Tendenz zur Arbeitertümelei inne. Wir werden später noch einmal auf die Leitung durch die/Ausrichtung auf die Arbeiterschaft in der Organisation eingehen. Wir wollen nur klarstellen, dass wir von einer weiten Begriffsbestimmung ausgingen (Arbeiter, Angestellte, Techniker, Lehrer); dass wir mit Arbeiter auch Arbeitslose eingeschlossen haben; und dass wir nicht auf die anderen „Fronten“ des Kampfes spuckten.
Unsere anfängliche Zusammensetzung und unser Wille zur Intervention und Einfügung in den Unternehmen, ermöglichte es uns Erfahrungen zu sammeln. Der Großteil der UTCL bestand aus Arbeiter-Militanten, Gewerkschaftlern oder in jedem Fall aus Genossen, die durch diese Frage polarisiert wurden. Die Militant:innen nahmen an der Organisation hunderter Streiks und Forderungsbewegungen teil. Sie haben ihre gewerkschaftliche Einfügung durch ihre Basisarbeit erhalten. Sie haben die Validität der Selbstverwaltung ausprobiert und immer die Souveränität der Generalversammlungen gefordert. Durch die Praxis haben sie sich im Verständnis der dialektischen Widersprüche entwickelt, die jede Basis und jede soziale Bewegung durchdringen. Und tatsächlich haben wir uns daran orientiert, was einem vollständigen Umsturz der klassischen Konzepte politischer Ausarbeitung gleichkommt.
Paralell zur direkten Intervention in den sozialen Bewegungen und den Gewerkschaften, haben wir versucht spezifisch libertär-kommunistische Positionen in den Unternehmen zu verbreiten, wo immer es möglich war. Bei den PTT („Le Postier Affranchi“(11)), bei der SNCF (12), bei der Luftfahrt zum Beispiel, waren es Erfahrungen mit Branchenzeitschriften oder lokalen Betriebszeitschriften. Mehrere Ausgaben einer branchenübergreifenden Betriebszeitschrift wurden innerhalb der letzten Jahre zu zehntausenden veröffentlicht. Kein anderer Bestandteil der libertären Bewegung hat einen derartigen Erfolg beim Versuch der Popularisierung des libertären Kampfes unter den Arbeitern verzeichnen können.
Jetzt müssen wir nur noch die Grenzen und Unzulänglichkeiten aufzeigen, doch dabei die siebzehn Jahre der UTCL als die eines spektakulären Rückgangs der Arbeiter-Kämpfe einordnen, der nicht ohne Konsequenzen geblieben ist:
Zusammenfassen haben wir unsere Einmischungsfelder, im Vergleich zur Arbeitertümelei der ersten Jahre, erweitert, dennoch denken wir, dass ein revolutionärer Kampf vom Proletariat (im weiteren Sinne) ausgehen muss, dass zuerst, aber nicht nur, unter den Schichten, aus denen es sich zusammensetzt agiert und sich artikuliert werden muss, und dass die Einfügung in die Unternehmen eine (nicht die einzige) notwendige Priorität einer Organisation ist die sich auf die gesellschaftliche Selbstverwaltung beruft.
Ein bedeutender Teil unserer Erfahrungen als Arbeiter spielte sich in den Gewerkschaftne ab. Mit der Ultra-Linken brechend, hat die UTCL sich ein dialektisches Verständnis der sozialen Bewegungen im allgemeinen und des gewerkschaftlichen Handelns im besonderen erarbeitet: und zwar den Widerspruch zwischen einen Pol der Ruptur und einem Pol der Integration, der alle Kämpfe im Kapitalismus durchdringt, und die Notwendigkeit für Revolutionäre ihn in Angriff zu nehmen, wenn sie am realen Klassenkampf teilnehmen wollen, ihn fördern wollen und keine Elite bilden wollen, die getrennt von der Reaalität der Leute ist; wenn sie ein Gewicht in Richtung der Ruptur aufbauen wollen, während sie sich bewusst sind, dass sie keinem der beiden Punkte entkommen können.
Mit dem Beschluss in der realen Gewerkschaftsbewegung aktiv sein zu wollen, haben die Militanten und Militantinnen der UCL dort einen erbitterten Kampf für eine kämpferische, kompromisslose, demokratische Orientierung geführt. Durch die Verteidigung einer basisorientierten Gewerkschaftsarbeit vor Ort haben unsere Genossen das Vertrauen der Arbeiter und Gewerkschaftsmitglieder gewonnen, und diese haben ihnen die Verantwortungen anvertraut, bishin zur Führung der nationaler Föderationen. Nach den ersten Schritten, in denen wir junger Arbeiter in den lokalen Sektionen stark in der Minderheit waren, haben wir unsere Erfahrungen akkumuliert und erweitert. Unsere Organisation zählte Militante der „Basis“, Leitungen der lokalen Sektionen, von Gewerkschaften, von branchenübergreifenden Strukturen, nationalen Strukturen. Mit der Gesamtheit der gewerkschaftlichen Problematiken konfrontiert, haben die Genossen eine nicht zu vernachlässigende Rolle in den Aktivitäten der Gewerkschaftslinken und der gewerkschaftlichen Oppositionen gespielt.
Wir führten unsere Kämpfe vor allem in der CFDT (13), wo wir uns eher wiederfanden (aber auch mit den Genossen in der CGT (14) und der FEN (15)), ohne das es eine bewusste „Anweisung“ war, aber wahrscheinlich wegen der selbstverwalterischen Orientierung der Gewerkschaft in den 1970ern und des Pluralismus den sie erlaubte. Diese oppositionelle Praxis war richtig, wenn auch nicht immer siegreich. Wir werden trotzdem eine kritische Analyse über diese Opposition ziehen, die zu ängstlich war und sich auf Kämpfe in den Fluren des Gewerkschaftsapparats beschränkte, weit entfernt von den militanten Basisgruppen.
Wichtig war und bleibt für uns, dass die Gewerkschaftsbewegung, zumindest dort wo revolutionäre Militanten ins Gewicht fallen, ein Werkzeug für die Kämpfge und die Selbstorganisierung sein können. Das ist unsere Ausgangsannahme und anhand ihrer Ergebnisse muss die Wertigkeit unserer gewerkschaftlichen Orientierung gemessen werden. Tatsächlich hat uns die Erfahrung an diesem Punkt rechtgegeben. Die letzte große Welle der Kämpfe, die Ende 86 eröffnet wurde, hat uns erlaubt dies zu bestätigen: ein Teil der gewerkschaftlichen Opposition, unter ihnen Militante der UTCL, haben auf entscheidende Weise zur Entstehung der Kämpfe, ihrer Selbstverwaltung, über die Allgemeinen Versammlungen (AG) der Streikenden, bis zur Vervielfältigung der Koordinationen.
Militante der UTCL haben eine entscheidende Rolle gespielt, als die ersten Auslöser in den großen Bewegungen der SNCF oder der Lehrer, aus den Situationen als Militante der Basis oder aus departementaler (16) und nationaler Verantwortung heraus, beweisend, dass nauf verschiedenen Ebenen für die Selbstverwaltung agiert werden kann. Unsere Orientierung wurde durch die Ereignisse bestätigt, was unsere Ablehnung der Ultra-Linken und eines engen Graswurzelismus einerseits, und des gewerkschaftlichen Managements andererseits zementierte.
Die sich verstärkende Krise der Gewerkschaftsbewegung hat uns dazu geführt die Mitgliedschaftskriterien zu überarbeiten. Zu Anfang war es für uns nur möglich eine Mitgliedschaft in der CGT oder CFDT in Erwägung zu ziehen (dies war selbst eines unserer zehn „Grundprinzipien“, sicher mit einem vorsichtigen „heutzutage“ versehen), eventuell in der FEN. Aber unser „Kompass“ war die Praxis vor Ort. Wir haben die Zerstückelung der Gewerkschaftslandschaft antizipiert, an denen die Bürkratien Schuld haben, und die Genossen spielten eine bedeutende Rolle in autonomen kämpferischen Gewerkschaften (SNPIT bei Air-Inter, SUD bei PTT…), die sicherlich nicht ohne die Vorarbeit der CFDT das Licht der Welt erblickt hätten. Wir sind daher heutzutage offen für eine Massengewerkschaftsarbeit, in allen Strukturen die es zulassen, auch in der CNT-F (17), was wir lange Zeit abgelehnt haben, aber auch wenn wir diese vorsätzliche Ablehnung aufgegeben haben, konnten die Genossen, die dort ihre Erfahrungen machten, nur entäuscht werden.
jenseits einer positiven Erfahrung, die wir auch fortsetzen werden – die auch dazu beigetragen hat, den Inhalt unseres Kampfes zu verändern, einige zu enge „organisatorische“ Aspekte des Anfangs der UTCL zurückdrängend, wir werden darauf zurück kommen, und uns erlaubend die revolutionär-syndikalistische und anarchosyndikalistische Tradition in unsere Praxis zu integrieren – jenseits dessen, ist eine kritischere Sichtweise notwendig, neben den Fehlern, die natürlich unsere Interventionen ausschmücken.
Ein großer Teil unserer Energie wurde durch die Gewerkschaftsarbeit absorbiert. Die Arbeit, die in den ersten Jahren einer libertär-kommunistischen Ausdrucksweise gewidmed war, wurde zum Profit eines Gewerkschaftsaktivismus reinvestiert, der, es ist wahr, einen großen Teil der Orienterungen der extremen Linken übernimmt (AG, Selbstverwaltung, usw.). Das wirft zwei Fragen auf:
Schlussendlich, im Herzen selbst unserer gewerkschaftlichen Interventionen, können wir auf wichtige Mangel hinweisen: die libertären Gewerkschafts-Genossen, und weiter gefasst die kämpferisch selbstverwalterischen, von denen wir ein Teil sind, waren sie dazu in der Lage die Gewerkschaftslinke zu Genüge zu affirmieren? Waren wir dazu in der Lage den durch Leninismus beeinflussten Strömungen zu trotzen, den ängstlichen Oppositionellen? Haben wir zu Genüge gemeinschaftlich über unsere gewerkschaftlichen Erfahrungen reflektiert, um uns zu wappenn, während wir, das ist uns klar, ablehnen als „Fraktion“ zu handeln? Haben wir uns zu Genüge auf die spezifischen Voraussetzungen der Militanz in der CGT eingelassen?
Sehr positiv müssen wir die Bilanz der Konferenz „Die revolutionäre Gewerkschaftsbewegung“ bewerten, die durch die Zeitschrift „Lutter!“ in 1986 organisiert wurde und an der über 400 Personen, unter ihnen viele Gewerkschaftler, teilnahmen und in einem realen Pluralismus verschiedene kämpferische Eindrücke ausgetauscht werden konnten.
Im Gegensatz zu einer bestimmten Auffassung hat die UTCL nie willentlich die Themenfelder der außergewerkschaftlichen Kämpfe herabgesetzt. In den ersten Jahren haben wir zwischen zwei Konzepten unterschieden: „Orte der Intervention“ und „Fronten der Intervention“. Zum Beispiel durchquert die „Front“ der Frauenkämpfe alle „Orte“: den Arbeitsplatz, den Wohnort, das Alltagsleben… Der Arbeitsplatz war der vorrangige Ort, an dem wir unseren Kampf auf alle Fronten führen. Andererseits haben wir immer klargestellt, dass eine Priorität keine Exklusivität bedeutet.
So haben die Militanten und Militantinnen der UTCL sich in verschiedene Kämpfe außerhalb des Arbeitsplatz und der Gewerkschaften geführt:
Er war eines der Hauptthemen der UTCL. Die libertär-kommunistische Gruppe von Nancy – einer der dynamischten Bestandteile während der Konstitution der UTCL (Gründungskongress von 1978) – war vorab die erste Struktur der extremen Linken, die die Soldatenkomitees stützte.
Auf dem Zweiten Kongress der UTCL ergriff ein uniformierter und maskierter Wehrpflichtiger im Namen aller einberufenen libertären Kommunisten das Wort: eine klandestine Verbindungs- und Unterstützungsstruktur ist errichtet worden. Die Mehrheit der Militanten hat sich an den antimilitaristischen Kämpfen von damals beteiligt, und einige Genossen wie Daniel Guérin waren dort führend.
Die antimilitaristische Orientierung der UTCL war klar erkenntlich: Unterstützung aller Formen des Protests gegen die Armee, Totalverweigerung, Verweigerung des Wehrdienst, Kampf innerhalb der Kasernen. Diese nahmen leider relativ schnell ab, ein Indiz für den allgemeinen Rückgang der Kämpfe und der Politisierung der Jugend. Wir haben die Unterstützungsarbeit für die Kriegsdienstverweigerer und Totalverweigerer und die Anprangerung der Bedingungen, unter denen die Einberufenen litten, weitergeführt. Unsere Intervention in den Kampf gegen den Golfkrieg hat sich auch auf unsere antimilitaristische Haltung berufen.
Wir müssen dennoch anmerken, dass unsere kollektive Einmischung an dieser Front Jahr für Jahr zurückgegangen ist, natürlich begleitet durch einen allgemeinen Rückgang des Antimilitarismus und das Drängen in eine Minderheitsposition, aber uns unter den Standard für eine kritische Einmischung inklusive ideologischer Natur platzierend, die einer libertären Organisation entsprechen.
Auch wenn der antirassistische Kampf zu den Interventionen aller Revolutionäre gehört, hat sich die Frage durch die Impulse der Jugend mit Migrationshintergund wirklich gestellt. Die „Märsche“ waren ein Vorbote der Kämpfe der Jugend und Arbeiter des Endes der 1980er Jahre.
Während wir den ersten Marsch (1983) unterstützten, nahmen wir aktiv am Zweiten teil (Convergence 84 (18)). Durch diese Unterstützung erreichte die UTCL unter den Jugendlichen (Moped-Fahrer von Convergence (19), die Studenten von Nanterre…), die den Kern der CJL bilden würden. Seit dem erweitern mehrere Genossen in der Provinz und in Paris ihre Beteiligung im Sektor der Vereine und der Wohnorte: neue Problematiken werden aufgegriffen, sein sie global (das Thema der „nouvelle citoyenneté“ von Convergence 84) oder lokal.
Es war zu aller erst die aktive Teilnahme der Frauen des „Collectif pour une UTCL“ (20) und dann der UTCL an der Frauenbewegung der 70er Jahre (mit der Bildung einer spezifischen Kommission). Dann fortschreitend eine Reinvestition die Frauen-Kommissionen der Gewerkschaften. Zuletzt, in den letzten Jahren, die Teilnahme an militanten femnistischen Initiativen, Spiegel einer großen Ebbe des Frauenkampfs, und der weniger spezifischen feministischen Motivation der neuen generation der Militantinnen.
Wir können trotzdem feststellen, dass die spezifische Einmischung der UTCL an dieser Front ungenügend war, da der kampf gegen das Patriarchat eines der essentiellen Themen einer anti-autoritären Bewegung sein müsste. Wir können nicht davon sprechen, dass es dagegen eine „machistischen“ Widerstand gab; mehrere andere Gründe scheinen dort zusammenzutreffen. Unterschiedliche Sensibilitäten unter den Aktivistinnen trugen nicht zu einer aktiven Intervention bei: Kritik an den Exzessen der Feministinnen, ökonomistische Standpunkte, die die Besonderheit dieser Front herunterspielten, oder sogar Reaktionen auf die Dominanz der intellektuellen Schichten gegenüber den Arbeiterinnen...
Die Unterstützung des Kampfes des kanakischen Volkes (21) war eine der Hauptfronten der UTCL. Alle Gruppen der Organisation haben sich daran beteiligt. Die Arbeit an der Basis, in den Städten, den Unternehmen, der Jugend wurde hier über der Teilnahme an der AISDPK (22) priorisiert (mit trotzdem einer Präsenz in den nationale Strukturen und der gewerkschaftlichen Kommission), viele Genossen haben über mehrere Jahre daraus quasi ihre „vorrangige Front“ neben der Gewerkschaftsarbeit gemacht.
Die UTCL übernahm so, in einem anderen Kontext, die Fackel der FCL (23), in dem sie das algerische Volk unterstützten und wie die FCL begegneten wir dabei anderen libertären Militante (eine antiimperialistische Koordination konnte mit den Genossen der OCL (24), der FA (25) und organisierten Genossen entstehen), und wir haben uns anderen entgegengestellt (vor allem traditionelle Anarchisten, der FA oder auch nicht, die im Namen eines prinzipiellen Antinationalismus verweigerten die Kanak zu unterstützen).
Um auf die Unterstützung zurück zu kommen, lassen sich dort einige Unzulänglichkeiten feststellen. Wir haben es nicht geschafft, einen Weg für eine kontinuierliche Debatte mit den kanakischen Aktivisten über die Frage der gesellschaftlichen Transformation zu finden – obwohl diese im Zentrum des Fortschritts in Richtung Unabhängigkeit steht. Dass es nicht gelungen ist, die Entstehung eines in Selbstverwaltung organisierten Kerns auf der Insel zu unterstützen (vor allem, dass es nicht einmal versucht wurde), gibt Anlass zum Nachdenken, zumal die Zukunft des Volkes der Kanaken nicht rosig aussieht, uns bedeutende Unruhen in den Überseegebieten bevorstehen und diese Perspektive daher weiterhin aktuell bleibt.
Zweiter Höhepunkt im antiimperialistischen Kampf: der Kampf gegen den Golfkrieg. Auch wenn sich unser Engagement hier mit dem der CAL überschnitt und wir uns mit allen Genossen auf die Ausrichtung „Weder Bush noch Saddam” einigten, bot sich der UTCL dennoch die letzte Gelegenheit für einen öffentlichen Auftritt im Rahmen einer großen Mobilisierung, und sie gehörte insbesondere zu den Organisatoren der großen Antikriegsdemonstration vom 12. Januar 1991.
Wir erinnern hier an die gemeinsame Arbeit mit den Genossen der OSL („Libertär-Sozialitische Organisation“ – Romandie, französisch-sprachige Schweiz) in einem gemeinsamen internationale Sekretariat, die uns ermöglichte Kontakte mit libertären und antiautoritären Organisationen, Kollektiven und Zeitschriften auf allen fünf Kontinenten zu unterhalten. Dank dieser Arbei hat ein Prozess der politischen Konvergenz begonnen Form anzunehmen, vor allem mit der „Federacion Anarquista Uruguaya“ (FAU, Uruguay); der „Federazione die Communisti Anrchici“ (FdCA, Italien), dem „Partito Anarchico Italiano“ (PAI, Italien), der „Organizzazione Communista Libertaria“ (OCL, Italien), der „Federazione Communista Libertaria“ (FCL, Italien); der „Anarchist Communist Federation“ (ACF, Großbritannien), dem „Anarchist Workers Group“ (AWG, Großbritannien); dem „Workers Solidarity Movement“ (WSM, Irland). (26)
Das gleiche auf gewerkschaftlicher Ebene, wir haben an mehreren internationalen Treffen revolutionärer Syndikalisten teilgenommen und pflegen regelmäßigen Kontakt mit, unter andere, der schwedischen SAC und der spanischen CGT/CNT.
Den Ereignissen weit voraus haben wir über Jahre hinweg Unterstützungsarbeit für Oppositionelle und vor allem Gewerkschaftler:innen der Länder des Ostens geleistet. Es war die Unterstützung der Gewerkschaft SMOT (27) in der UdSSR. Die Unterstützung der bulgarischen und rumänischen Opposition. Und die Unterstützung von „Solidarność“(28), der Avant-Garde des Kampfes gegen die Bürokratie, und Träger eines Projekts der Selbstverwaltung. Es entstanden Meetings, die von der UTCL in der Provinz und in Paris organisiert wurden, an denen Oppositionelle beteiligt waren. Es wurden spezielle Berichte veröffentlicht.
Und es wurde eine große Konferenz im Jahr 1981 organisiert: „Von Kronstadt bis Gdansk, 60 Jahre des Widerstands gegen den Staatskapitalismus“ (29), eine Konferenz mit 800 Teilnehmern, die gleichzeitig historisch und zeitgemäß war, an der sich dutzende bedeutende Persönlichkeiten beteiligten, von Guérin (30) bis Castoriadis (31), von Plioutch (32) bis Ciliga (33) und Marcel Body (34).
Enger jedoch wurden, nach dem Fall der bürokratischen Regime, die Verbindungen zu den revolutionären Syndikalisten und Anarachisten des Ostens.
Die Militanten der UTCL haben an den großen Kämpfen gegen die Atomkraft teilgenommen. Lokal sind sie Teil einer Vielzahl von Mobiliesierungen gewesen. Das „Libertär-Kommunistische Projekt“ befasst sich an verschiedenen Punkten mit der ökologischen Dimension, in seiner Analyse der Krise, seinem Gesellschaftsprojekt, seinen strategischen Ausrichtungen. Jedoch, obwohl wir uns aktiv zeigten und sensibilisiert wurden, lässt sich feststellen, dass der praktische Ausdruck dessen, nicht dem gerecht wurde, was auf dem Spiel stand, und die Verbindung, die natürlicherweise zwischen antikapitalistischem, libertären und ökologischen Kampf bestehen sollte, unzureichend blieb.
Ohne uns des Opportunismus bediehnt zu haben (unser Engagement geht zu großen Teilen auf die Zeit vor der Gründung der „grünen“ Partei zurück), geben wir unsere unbestreitbare Schwäche zu.
Seit der ersten Ausgabe von „ Tout le pouvoir aux travailleurs“ (35) des „Kollektivs für eine UTCL“ wurde auch den Kampf der Studierenden eingegangen, was der Mitgliedschaft von Gymnasiasten und Studenten zu verdanken ist. Der antimilitaristische Kampf war eine Fortführung der Kämpfe der Jugend. Aber die Priorisierung des Arbeitsplatz wurde nicht durch eine spezifische Arbeit mit der schulpflichtigen Jugend begleitet. Seit 1984 („Convergence“) ist eine neue Generation von Militant:innen der UCTL beigetreten. Sie würden sehr aktiv während der Streiks von 1986 sein (wo die Gewerkschaftler der UTCL zu den Urhebern der Annäherung von Studenten und Arbeitern gehörten). Diese neue Generation war innerhalb der Organisation Trägerin des Hinterfragens des „syndikalo-syndikalistischen“ Kurs der UTCl, wo die Einfügung der Jugend schwierig wurde.
Die Wiederaufnahme der Kämpfe in den Universitäten und Oberschulen machte neue Formen des Engagements glaubwürdig. Die Konstitution des „Collectif Jeune Libertaire“ (CJL) während der Streiks von 1986 antwortete auf ein Bedürfnis: eine spezifische Struktur für eine libertär-kommunistische Einmischung der Jugend; aber zeigte auch die Schwierigkeiten der UTCL auf, dieses Bedürfnis zu erfüllen.
Das CJL wurden von Militanten der UTCL geschaffen, durch sie unterstützt und befanden sich auf einer gleichen politischen Linie. Die CJL konnten eine bedeutende Entwicklung durchlaufen: sie waren eine autonome Organisation, was alle Entscheidungsprozesse betraf, un d neun von zehn ihrer Mitglieder waren kein Teil der UTCL.
Das CJL wurde daher ein Indikator für die Qualitäten und Mängel der UTCL, die gleichzeitig eine neue Welle an Militanten hervorbringen konnte und nicht dazu in der Lage war, sie zum Teil ihrer Organisation zu machen, da sie sich immer mehr, wenn auch nicht ausschliesslich, auf die Priorisierung „gewerkschaftlicher“ Problematiken konzentrierte.
Es wurde daher eine der treibenden Kräfte einer In-Frage-Stellung, die das Über-Sich-Hinaus-Wachsen ermöglichte.
Unsere Einmischungen „außerhalb der Betriebe“ oder „außerhalb der Gewerkschaften“ waren nicht zu vernachlässigen. Es lässt sich aber eine fortschreitende Aufgabe eines Teils dessen bemerken, die mit einem Rückgang der Kämpfe an allen Fronten in Verbindung gebracht werden muss: der Rückzug auf die betriebliche und gewerkschaftliche Einmischung kann sich daraus erklären lassen, wir können selbst davon sprechen, dass er uns während einer für Revolutionäre schwierige Zeit erlaubte „den Kurs zu halten“. Es lassen sich aber auch Fronten bemerken, an den wir wenig vertreten sind. Und eine Organisation die Schwierigkeiten hat Jugendliche und Militanten außerhalb der Betriebe zu integrieren.
Das Wiederaufkommen der Kämpfe seit 1986 – und damit auch das der Engagements – machte für uns die Aufgabe der Strukturen mit dem Monogramm „UTCL“ und des Bildes, dass mit ihm verbunden wurde, notwendig. Eine neue und ganzheitliche Organisation muss dazu in der Lage sein Betriebskämpfe und den Kampf auf allen Fronten miteinander zu verbinden, und einen Rahmen bilden, an dem junge Militante mit Arbeitern, Militante aus der Vereinsarbeit und dem kulturellen Bereich und Gewerkschaftlern zusammenarbeiten können.
Es wäre aber illusorisch sich einzubilden, dass „alle“ Themengebiete „abgedeckt“ werden könnten. Dafür müssten wir eine bedeutende Kraft sein. Was wir für die Zukunft erhoffen – und es wäre schon ein qualitativer Sprung im Vergleich zur UTCL – ist eine Strömung, die es wagt sich zu allen Fragen der Gesellschaft zu äußern, die aktiv an den Kämpfen des Lebens, des Wohnorts, der Städte, der Ökologie teilnimmt. Und die, ohne die Interventionen unter den Massen zu verlieren, seine Interventionen mit einem spezifischer „ideologischeren“, subversiven, inhalt füllt, der Träger eines alternativen Gesellschafts- und Lebensprojekt wird.
In dem sie versuchte den revolutionären Kampf auf der Basis realer sozialer (nicht mythologisierter) Kämpfe zu führen, stellte sich die UTCL seit ihren ersten Schritten der Strategie des „allgemeinen Programms“ und des „Parti Socialiste“ entgegen (die gesellschaftliche Transformation durch eine Verwaltung der Institutionen), andererseits auch den realitätsfremden Visionen der Mehrheit der extremen Linken, die sich auf den Glauben an eine unmittelbar bevorstehende Revolution (die mehrheit der libertär-kommunistischen Strömung war damals erblindet und nicht dazu in der Lage eine revolutionäre Strategie für eine nicht-revolotionäre Epoche zu formulieren).
Diese Untersuchung, die eine konstante Erscheinung der UTCL war, wurde als erstes unter der Losung „vereinigen, verstärken, selbstverwalten der Kämpfe, hin zum Generalstreik“ zusammengefasst. Das Projekt eines Generalstreiks, der durch eine selbst-organisierte Bewegung getragen wurde (wir sprachen vom „Führungsstab der Arbeiter“) und einen möglichen Weg für einen revolutionären Kipppunkt zu eröffnen, war der Periode sozialer Wallungen der 1970er yngemessen. Es ermöglichte eine Verankerung in den Forderungskämpfen und eine politische Verlängerung/Überwindung derselben. Über die Zeit wurde es aber unangemessen: der Rückgang der Kämpfe raubte ihm seine Glaubwürdigkeit.
Im fortschreiten unserer kritischen Reflexion bemaßen wir auch seine Grenzen: er verblieb in der Logik einer gegenseitigen Überbietung der extremen Linken; tatsächlich, damit ein selbstverwaltetes Projekt unter den Arbeitern vorangetrieben wird, reicht keine mechanische Akkumulation der Kämpfe und der Erweiterung der Forderungen nicht aus: die Entwicklung einer Logik, von Inhalt, einer qualitative Dimension sind absolut notwendig.
Auf diese Weise haben wir mit der Entwicklung einer alternativen Strategie der Gegenmacht begonnen, die durch das „Libertär-kommunistische Projekt“ vorangetrieben wird. Diese strategische Option bedeutet einen spezifischen Kampf. Dieser unterscheidet sich von der Abwesenheit einer Problematik der Strategie im traditionellen Anarchismus, eine Unterscheidung, die uns auch von der Ultra-Linken der lib ertären Kommunisten der 70er Jahre trennt, die sich auch der Notwendigkeit einer vielleicht längeren Etappe der Reifung und Bewusstseinsbildung der Arbeiter verweigert. Wir haben einen Teil der Qualitäten des revolutionären Syndikalismus und des Anarchosyndikalismus wiedergefunden, der durch Forderungskämpfe und die Entwicklung der Selbst-Organisierung der Arbeiter, die Frage nach Gegenmacht stellt; aber im Unterschied zu den „reinen Syndikalisten“, bauen wir unser politisches Projekt auf den allgemeinen Versammlungen der Arbeiter auf, Gewerkschaftsmitglieder oder nicht, und nicht auf der gewerkschaftlichen Struktur… Diese Strategiewahl bringt ebenso den libertären Kampf in Stellung und macht ihn im Verhältnis zu leninistischen und sozialdemokratischen Strategien glaubwürdig.
Die Entwicklung ist mit Sicherheit nicht abgeschlossen. In dem „Libertär-Kommunistischen Projekt“ trägt sie immer noch den Abdruck der Grenzen der UTCL: sie setzt vor allem (auch wenn sie sich allen Fronten hin öffnet) auf die Gegenmacht in den Betrieben. Ein wichtiger Bestandteil fehlt oder wird nicht angesprochen: die „Klassenkampf-Libertären“ müssen verdeutlichen und erforschen, wie eine Strategie der Gegenmacht in den Städten, Kommunen, Regionen, usw. aussieht.
Die Synthese der Errungenschaften der „libertären Arbeiterbewegung“, von Marx, der undogmatischen Marxisten, der Selbstverwalter, ist kein Wunschdenken geblieben.
Wir haben einen Teil der programmatischen Basis dieser Synthese bereits festgelegt, wenn auch nur als Entwurf, ein Großteil der theoretischen Arbeit muss noch getan werden.
Ein paar dieser Grundsätze, die den Anarchismus überwinden, können wir hier einmal aufführen: der Föderalismus, der als Dialektik zwischen Autonomie und Zentralisierung verstanden wird, und damit eine bestimmte positive Auffassung von dieser Zentralisierung; der revolutionäre Prozess und die Gegenmächte, anstatt eines Mythos des revolutionären „großen Abends“; eine dialektische und materialistische Geschichtsauffassung und Methode; eine Ablehnung des prinzipiellen Wahlenthaltung, eine reflektierte und differenzierte Auffassung von Staat und Parlamentarismus; ein vorgestelltes Gesellschaftsprojekt, dass an sensiblen Punkten die anarchistischen und klassischen revolutionären linken Positionen verweigert: die Existenz von Rechten, Justiz, des Geldes, des Marktes, die Anerkennung von Spezialisierungen und die Frage nach der Kontrolle über diese.
Die Analysemethode unserer Strömung hat auf einem hohen Erwartungsniveau gearbeitet und sich dort entwickelt, insbesondere für eine Organisation, die vor allem aus Militanten besteht, die an der Basis aktiv ist. Die ersten Forschungen des „Collectif pour une UTCL“, die Debatten während der Vereinigung mit der OCA (36), eine Broschüre, eine Spezialausgabe zum Hundertjährigen Todestag von Marx, ein Kapitel des „Libertär-Kommunistischen Projekt“, haben diese Arbeit orientiert. Mit einigen Prinzipien, die von Afang an feststanden: die Methode (und Geschichtsauffassung) ist ein Werkzeug kein Glaubenssystem; es muss auf die ursprünge der Debatten der Arbeiterbewegung (Marx, Bakunin, James Guillaume…) zurückgegriffen werden [um diese zu verstehen]; Marx muss gleichermaßen integriert und überwunden werden, und seine deterministischen und ökonomistischen, bis metaphysischen Aspekte seines Denkens in Frage gestellt werden.
So beschritten wir den gleichen Weg wie unser Genosse Daniel Guérin, ohne seine Bezeichnung „libertärer Marxismus“ aufzugreifen, die der Ursprung von Verwirrung wurde, wie er später feststellte. Unser Willen eine Methode zu finden, die Marx überwindet, liess uns einen etwas anderen Ausdruck verwenden, als sonst benutzt wird: der „dialektische historische Materliasmus“ (37). Mit dem Fortschritt unserer Reflexionen trennten wir uns mehr und mehr von den „starren“ Schemata, die wir von einem gewissen klassischen Marxismus geerbt hatten.
Es war für uns wichtig, dass die Methode kein kosmetisches Element ist, sondern vor allem, in ihrer dialektischen Dimension (also im Gegensatz zu einer mechanistischen und deterministischen Auffassung stehend), die Matrize war, durch die wir die spezifische Orientierung und Konzepte der UTCL bilden konnten, in enger Verbindung mit unser Praxis.
Siebzehn Jahre Erfahrung haben es uns erlaubt unser Organisationskonzept zu entwickeln, während wir die Notwendigkeit bestätigten, sich zu organisieren, um Denken und Handeln zu können.
Die Organisation ist für uns keine Kirche, in der wir uns einer „Wahrheit“ unterordnen, die den Entschlüsssen ihrer Mitglieder entweicht; sie ist keine disziplinierte Armee, in der die Militanten der Autorität, selbst demokratisch gewählter, Anführer gehorchen: sie ist ein kollektives Werkzeug, mit Element der Selbstdisziplin, die mit jeder aktiven Vereinigung notwendig sind, und mit einer Logik einer internen Demokratie des selbstverwalteten Typs.
Organisiert zu sein hat zweifellos zu unserer Praxis beigetragen, in ihren Erfolgen und vor allem in ihren Fortschritten. Ein kollektiver Rahmen der Debatten und Entwicklung hat es uns erlaubt uns zu bilden und Zusammenhalt zu entwickeln, die uns vorher fehlte. Das wir ein gemeinsames Projekt und eine gemeinsame Aktionsethik verfolgten, hat uns gestärkt und angeregt. Wir konnten an verschiedenen Momenten bestätigen, wie sehr eine Zirkulation von Informationen, ein organisiertes Netzwerk, militantes Handeln stützen können.
Nach diesen siebzehn Jahren sind wir immer noch von der Notwendigkeit der Organisation überzeugt, diese Überzeugung trennt uns von dem Teil der Libertären, die sich auf eine herbeifantasierte Furcht stützen, oder auf unwirksamen Schemata beharren (wie die Ablehnung von Wahlen), die eine Trennung von der Realität bedeuten, oder Opfer von Zweifeln und Bestrebungen ohne Ende. Wir unterschieden uns genau so vom, Modell der revolutionären Partei, seiner (hierarchischen) Form, seine Berufung (der Machtausübung). Wir haben gezeigt, dass eine selbstverwaltete Organisation keine Utopie ist und halten kann.
Die UTCL war in ihren aller ersten Jahren sehr „plattformistisch“. Unter der leninistischen Vorherrschaft in den revolutionären Strömungen und vor allem um mit der betrüblichen Organisationslosigkeit (politisch wie strukturell) in den libertären Millieus zu brechen (auch in der ORA), haben wir nahc einem vergleichsweise starren Modell funktioniert (aber, seit dem Beginn, mit einem Geist der Toleranz in den Debatten und der Sorge um die Rechte von Miderheiten).
Eine In-Frage-Stellung wuchs im Rhythmus unserer Erfahrungen in den Betrieben und Gewerkschaften an.
Schrittweise erfüllte die UTCL nicht mehr die mythische Rolle eines Ortes an dem wir uns kollektiv, sicherlich demokratisch, die „Anweisungen“ gaben, die unsere jeweilige Massen-Praxis orientierten. Im Gegenteil begann diese unserere Reflexionen zu nähren, in einem Prozess von unten nach oben, in dem wir uns der Komplexitäten der lokalen Situationen in denen wir uns entwickelten, und die Unzulänglichkeit unserer losungsgesteuerten Politik der ersten Tage bewusst wurden.
Die Spezifitäten der UTCL (vor allem die Selbstverwaltung der Linie, was weder Zentralismus, noch zu lokalistischer Föderalismus waren) haben eine „positive Basis-Orientierung“ ermöglicht, vor allem mit Gruppen aus der Provinz, die besorgt waren, die Unterschiedlichkeit der begegneten Situationen hevorzuheben, ohne sich auf diese zurückzuziehen. Daraus enstand eine offene und Unterschiede bejahende Sichtweise auf die Strategie: eine Überholung des plattformistischen Konzepts der „taktischen Einheit“, hin zu einer, die wir nachträglich „strategische Einheit“ nennen könnten.
Das „Libertär-kommunistische Projekt“ von 1986 drückt sich dazu deutlich aus. Ohne den unleugbaren Fortschritt der Plattform von 1926 und die notwendigen Kämpfe von Arschinow und Makhno zu verleugnen. (3840) Dies war einer der Fortschritte, der das Zurücklassen der Struktur UTCL notwendig machten, deren Inhalt sich stark verändert hatte, deren Monogramm aber noch mit der Anfangsorientierung verbunden wurde.
Auch wenn wir uns einer offenen Auffassung verbunden fühlen, müssen wir uns fragen, ob wir in den letzten Jahren nicht zu weit in die umgekehrte Richtung gewandert sind. Wir müssen ein Gleichgewicht finden, an dem jeder für seine Handlungen in den massenbewegungen verantwortlich ist, aber an dem die Informationen zirkulieren und die Strömung kollektive Orientierungen entwickeln und festlegen kann; denn, wenn eine Strömung den Zentrifugalkräften des Lokalismus und Individualismus ausgesetzt ist, wird sie keinen Halt und keine Verbindung mit den Realitäten haben.
Wir übernehmen nicht mehr die Forderungen unseres Text „Eine Organisation der Arbeiter für den libertären Kommunismus“, die am ersten Kongress von 1978 angenommen wurde, wie: „es ist klar, dass der Eintritt von solchen Militanten (schulpflichtige Jugend, Intellektuelle, Mittelschicht) in die Organisation sehr selektiv sein muss“, oder auch: „… in der Organisation muss heute wie morgen, während der revolutionären Phase, die Macht von den Arbeitern ausgehen“.
Wir haben niemals diesen politischen Willen unserer Anfänge mit strukturellen Maßnahmen gestützt (wie „doppeltes Stimmrecht für Arbeiter“), wie wir es manchmal, als Prämissen der UTCL, diskutiert hatten. Aber es bestand trotzdem eine unverleugbare Arbeitertümelei, mit der wir nun gebrochen haben.
Unsere In-Frage-Stellung der spezifischen Organisation für libertär-kommunistische Arbeiter, deren Folge eine spezifische Jugendorganisation wurde – die CJL – hat uns zum Konzept der „allgemeinen Organisation“ geführt. Natürlich ein widersprüchlicher Zustand mit dem Monogramm der UTCL.
Aber unsere Sorge, dass sich die libertäre Strömung nicht im Proletariat etablieren kann oder eine betriebliche und gewerkschaftliche Praxis nicht auf der Autonomie der Arbeiter in ihrer Organisationen beruht, hält uns davon ab das Kind der Arbeiter-Autonomie mit dem Badewasser der Arbeitertümelei auszuschütten.
Die politischen Parteien im allgemeinen, die linksextremen Organisationen, viele libertäre Gruppen und fortschreitend die Gewerkschaften werden durch Verantwortliche aus wohlhabenden und mittleren Schichten gebildet. Wir müssen uns nicht davor schämen, eine Organisation gebildet zu haben, in der die Verantwortlichen zum Großteil Arbeiter waren, die in Arbeiter-Praxis eintauchten. Der Ausschluss der Arbeiter und Angestellten aus dem politischen Entscheidungsprozess ist eine der großen Entwicklungen heute und eine der anfechtbarsten.
So müssen wir weiter das in Betracht ziehen, was wir 1978 sagten: „ein Genosse, der sich außerhalb des Betriebs befindet, ist nicht im Besitz der prinzipiell notwendigen Elemente für ein Verständnis der Kämpfe der Arbeiter: ihre Praxis…“
Es ist eine tatsächliche Frage, auf die es keine formelle Antwort gibt, wie wir am Anfang dachten, sondern die im Laufe der Klassenkämpfe iummer neu gestellt werden muss.
Die öffentliche Wahrnehmung der UTCL war durch ein erhebliches auf und ab geprägt:
Die UTCL hat regelmäßig an nationalen und lokalen Mobilisierungren teilgenommen, Demonstrationen (manchmal mit recht großen und dynamischen Demonstrationszügen, hinter unseren bannern und denen der CJL), die Unterstützung von Kämpfen. Diese Bejahung einer libertären Strömung (oft und lange die einzige, die an Einheits-Aktionen teilnahm) hat dazu beigetragen unsere Organisation als eine bekannte Referenz in manchen Milieus zu etablieren.
Mais au delà de cercles restreints, notre organisation est restée ignorée. Et même en direction des militants des autres organisations, des syndicats, des associations, etc., nous n’avons jamais eu une politique de communication. Au total l’UTCL est restée une organisation-réseau, une espèce d’"Alliance bakouninienne" involontaire, structurant des "cadres" politiques et syndicaux, influents dans les mouvements sociaux, mais sans réussir à faire vivre un véritable courant d’opinion.
Aber über diese engen Kreise hinaus wurde unsere Organisation ignoriert. Und selbst in Richtung der Militanten anderer Organisationen, der Gewerkschaften, der Vereinigungen, usw., hatten wir niemals eine Politik der Kommunikation.Im großen und ganzen blieb die UTCL eine Vernetzungsorganisation, eine unwillentliche „bakuninistische Allianz“, die politische und gewerkschaftliche „Kader“ strukturierte, die in den sozialen Bewegungen einflussreich waren, ohne jedoch eine echte Meinungsströmung zu erzeugen.
Die UTCL blieb unter der kritischen Anzahl an Mitgliedern, die es ihr erlaubt hätte, die ausreichenden Mittel zu erhalten, um ein massives Echo zu bekommen. Das hat mehrere Gründe:
Der Kontext war außergewöhnlich ungünstig. Die UTCL wurde geboren, als die ersten Anzeichen des Rückgangs der Kämpfe sich manifestierten. Wir sind eine sehr düstere Phase durchschritten und der Fakt „durchgehalten“ zu haben, trotzdessen und trotz unserer anfänglichen Schwäche ist schon Erfolg genug.
Die libertär-kommunistische Strömung hatte keine organisatorische Erfahrung oder die Möglichkeit den (sehr jungen) Gründern der UTCL eine materielle Grundlage zu bieten. Wir mussten nochmal von Null anfangen, viele Fehler machen und nochmal machen.
Wir haben die sozialen Bewegungen priorisiert, die Kämpfe, die Gewerkschaftsarbeit, im Vergleich zur Organisation. Die Mehrheit der Genossen haben sich auf die Praxis gestützt und sie hatten Recht; zahlreich sind die, die den Respekt der Arbeiter gewonnen hatten und gewerkschaftliche Verantwortung akzeptiert hatten… und sie konnten sich nicht auf den Organisationsaufbau fokussieren.
War es möglich anders zu handeln, mit der sozialen Zusammensetzung der damaligen Zeit? Auf jeden Fall hat die UTCL unter dieser priorisierung gelitten, in ihren lokalen und nationalen Aktivitäten. Wir haben die Wichtigkeit der Zentralisierung beim Aufbau der Organisation unterschätzt. Entweder weil wir den politischen Inhalt immer über die Struktur gestellt hatten, oder aus Graswurzelismus, oder durch unser Modell des rastlosen Militantismus geblendet, das nicht lange aufrecht gehalten werden konnte, wir haben nichtverstanden, dass eine Organisation eine leistungsstarke technische Infrastruktur braucht und einen Stab aus nationalen Verantwortlcihen, die für die Ausführung der politischen Tätigkeiten ausgebildet sind, denen eine Organisation nicht entfliehen kann.
Die Mittel bereitstellen, genügend Genossen für diese Aufgaben freistellen, sie auszubilden, schadet nicht der Demokratie: das setzt ein gutes Koordinationssystem voraus. Diese Schwäche der zentralen Organisation (im Gegensatz zu dem Bild das oft andere von uns vermittelt haben) hat eine Kettenreaktion hevorgebracht. Wenig Verwaltung von Kontakten, also keine Entwicklung. Viele Projekte, die im Enthusiasmus begonnen wurde… aber schlussendlich aufgrund des Mangels an menschlichen Ressourcen aufgegeben wurden. Und allgemein eine echte organisatorische und politische Kapazität für kurze Interventionen (von dem wöchentlichen Newsletter abgesehen), aber unmöglich in der Länge durchzuhalten.
Wir waren nicht dazu in der Lage Methoden und Formen für ein öffentliches politisches Auftreten zu ermöglichen. Wie etwas anderes und auf andere Weise als die radikalen Sektoren der Gewerkschaften und sozialen Vereinigungen vermitteln? Wie eine „ideologische“ Botschaft über die Gesellschaft, das Leben, usw. vermitteln? Auch wenn wir es schafften unsere Identität durch einen programmatischen Inhalt zu formulieren, sind wir daran gescheitert ihm eine attraktive Form zu geben, die dazu im Stande war den verborgenen Revolten unter den Arbeitern und Jugendlichen zu begegnen und diese zu politisieren. Aus diesem Grund waren wir nicht dazu in der Lage aktive Militanten in den sozialen Bewegungen zu gewinnen, die dennoch im Einverständnis mit unser Praxis waren, aber durch unsere tatsächlichen politischen Aktivitäten nicht zum Engagement motiviert werden konnten.
Die UTCL hat sich sofort zu einer einheitlichen Strömung vereinigt, die sich nicht als einziger Embryo der „Alternative“ von Morgen sah.
Seit der ersten Ausgabe von „Tout le pouvoir aux travailleurs“ (Mai 1976) hatte das „Kollektiv für eine UTCL“ in einem zentralen Artikel die Perspektive einer „revolutionären Alternative“ entwickelt, die auf der Organisierung dessen beruhte, was wir die „Arbeiter- und Gewerkschaftslinke“ nannten, Kreise gewerkschaftlich organisierter und unorganisierter Arbeiter, die sich dem „PC“ und dem „PS“ (39) auf der Basis von Arbeiterdemokratie entgegenstellten. Wir haben damit die von der ORA aufgeworfene Problematik „Damit eine Kraft entsteht“ erweitert.
Gleichzeitig (aber auch mit dem Gedanken zur revolutionären Alternative beizutragen) haben wir unsere Teilnahme an den Mobilisierungen der extremen Linken teilgenommen – was uns unter anderem von der OCL den Vorwurf des „Frontismus“ (40) eingebracht hatte, bevor auch sie in den letzten Jahren die gemeinsamen Aufrufe unterschrieben hatte.
Stück für Stück (und unterstützt durch den Rückgang der Kämpfe) haben wir durch unsere Orientierung auf eine „Arbeiter- und Gewerkschaftslinke“ in die Oppositionskämpfe der Gewerkschaftslinken investiert. Hier, wenn auch in einem anderen Rahmen, beriefen wir uns auf die Einheit politischer Militanten unterschiedlicher Strömungen und zahlreicher Unorganisierter. Ohne gleichzeitig die Erfahrungen der nicht-gewerkschaftlich-organisierten und der außergewerkschaftlichen Kämpfe außer Betracht zu ziehen, sobald es uns möglich war (zB. die Eisenbahner von Rouen…).
Uns den Grenzen unserer Aktivitäten bewusst werdend, haben wir unser Sichtweise erweitert und die Perspektive einer „großen antikapitalistischen und selbstverwalteten Bewegung“ („Das Libertär-Kommunistische Projekt“) eingenommen.
Während wir die lokalen Erfahrungen als alternative Kollektive machten (Orléans, Tours, Toulouse, Caen, Laval, usw.) und auf kritische Weise an der Juquin-Kampagne (41) teilnahmen. Hier begegneten wir einem Teil der unorganisierten Libertären, mit denen wir zusammen die CAL gründeten.
Einheitliche Praxis, Debatten – episodische Begegnungen mit der „Fédération de la gauche alternative“ (FGA) und der „ Alternative rouge et verte“ (Arev) (42), der „Ligue communiste révolutionnaire“ (LCR), die „Alliance marxiste révolutionnaire“ (AMR) (43), usw. - gehören zu den zentralen Perspektiven der revolutionären Alternative: diese Linie bleibt für die UTCL wichtig, die sich weigerte eine Sekte zu werden.
Das „Kollektiv für eine UTCL“ entstand aus einem Ausschluss aus der ORA, was den Bruch mit einem ultralinken libertären Kommunismus vollendete.
Seit der zweiten Ausgabe von „ Tout le pouvoir aux travailleurs“ veröffentlichten wir regelmäßig einen offenen Brief an die Gesamtheit der Libertären, um zu Debatten einzuladen. Wir haben Gesprächspartner gefunden: „Alliance syndicaliste“ (44), „Tribune anarchiste communiste“ (TAC) (45), „Organisation combat anarchiste“ (OCA).
Mit der „ Alliance syndicaliste“ (AS) waren die Debatten weitläufig: das „Kolektiv für eine UTCL“ und die Mitglieder der AS waren bereit zu fusionieren; dies misslang bei der „Nationalen Konferenz der libertären Arbeiter“ 1977, die trotzdem einer der wenigen Zeitpunke war, an dem es eine echte Debatte zwischen libertären Kommunisten und Anarchosyndikalisten gab, mit in etwa 200 Teilnehmern. War eine Synthese zwischen den beiden Strömungen möglich? Ein großer Teil der anwesenden Anarchosyndicalisten war zögerlich zu organisieren (ihre organisatorischen Erfahrungen nach dem Kongress blieben kurzweilig) und wir waren ideologisch weit voneinander entfernt.
Während der nächsten Jahre verschwand AS und ein Teil ihrer Militanten schloss sich der FA an. Wir für unseren Teil führten fortschreitend die Synthese von 1977 durch, die die Aspekte des Anarchosyndikalismus integrierte, die wir als positiv bewerteten, sodass wir ebenso revolutionär-syndikalistsisch wie libertär-kommunistisch wurden, zum Gesprächspartner der spanischen CNT (CGT) (46) wurden, oder nahmen an der Internationalen Konferenz in Stcokholm von 1990 teil.
Mit TAC hatten wir mehrere unterbrochene Phasen von Debatten gehabt, die Genossen schwankten zwischen ernsthaften Schwüngen hin zur Einheit und bitteren Brüchen. Ein gemeinsamer Referenzrahmen existierte, und der Wille eine breite revolutionäre Bewegung zu gründen. Aber es gab auch Divergenzen: über den Inhalt der Alternative, die durch die Genossen auf ein Kartell der selbstverwalterischen Strömungen und Überläufer des PC reduziert wurde, in denen sie Allianzen an der Spitze den Basiskollektiven vorzogen, und die eigentlich „politische“ Aktivität der Artikulation mit sozialen Kämpfen vorzogen; Divergenzen über die Form der Debatte in großen und einheitlichen Strukturen, die Genossen blieben teils sehr zurückhaltend, gefolgt von aufeinanderfolgenden Austritten; Divergenzen über die Frage der Organisation einer libertär-kommunistischen Strömung, da die Genossen einer traditionellen Position nahe standen. Die Aussprache unserer Divergenzen verändert nichts am Respekt, den wir unseren Genossen entgegenbringen, sie können angenommen, wenn nicht sogar überwunden werden, und unser Wunsch bleibt es uns eines Tages wiederzufinden.
Die UTCL war nicht nur ein provokanter Gesprächspartner oder folgte dem Aufruf zu Debatten. Sie war das Produkt verschiedener libertärer Konvergenzen.
An ihrem Gründungskongress 1978 vereinigte sich das „Kollektiv für eine UTCL“, das 1976 gegründet wurde, mit mehrenen unabhängigen libertär-kommunistischen Gruppen.
Der zweite Kongress erlaubte die Vereinigung mit der „Organisation combat anarchiste“ (OCA), die aus den Klärungsprozessen der autonomen anarchistsichen Gruppen von Nach-68 („Coordination Anarchiste“) entstand. Die Zeitschrift der OCA, „Lutter!“, wurde zuerst die theoretische Zeitschrift, dann die Zeitung der UTCL. Die Vereinigungsdebatten erlaubten es die Analysemethoden zu defnieren, und die OCA brachte sehr aktive Militanten und Verwurzelungspunkte mit sich.
Zur gleichen Zeit, stießen zur UTCL Genossen der OCL (2) [der Nachfolgeorganisation der ORA] (wie Daniel Guérin) und der [ehemaligen] FCL und später OCL (1) (wie Georges Fontenis) (47) dazu. Der Kampf um eine Debatte mit der „ Fédération anarchiste“ und „ Organisation communiste libertaire“ wurde ab 1984 weitergeführt. Teil der beiden Organisationen waren erfahrene Militanten und sie besaßen Errungenschaften, die für eine auch teilweise wiederverienigte Bewegung nützlich werden konnten, wenn sie auf einer starken Basis aufgebaut hättten, die durch die Ablehnung und Zurückhaltung der Debatten nicht in Erwägung gezogen werden konnten. Die Divergenzen sind dennoch nicht weniger real.
Mit der FA waren die Divergenzen zur Sichtweise auf die Organisation tief. Die Abwesenheit von jeder Form der Wahlen – das ist unsere Meinung – kann nur zu okkulten und unkontrollierbaren Entscheidungen führen, zu einer theoretischen Stagnation und einer Form der Debatte, wo sich die Hauptsache nicht in einem öffentlcihen und demokratischen Feld abspielt. Wenn die FA sich auch fortschreitend entwickelt hat (die Anerkennung des Klassenkampf kann nicht unterschätzt werden), war sie immer Trägerin einer starren und verwirrten, bis zu dogmatischen und sektiererischen, „anarchistischen Doktrin“. Aber die FA war uns nicht nur feindlich gesinnt. Wir werden in Erinnerung behalten, dass sie immer verweigerte unsere Presse in ihrer Bücherei zum Verkauf anzubieten, was unseren Punkt demonstriert.
Die Beziehungen mit der OCL waren komplexer. Natürlich am Anfang konfliktreich (auch wenn wir schnell die Debatte angeboten hatten); verstärkt durch ihren Schwung Richtung Ultralinke und „autonomer Bewegung“. Später geprägt durch Ausweichen und verpasste Verabredungen, die zu heftigen Polemiken (wie zum Anlass des Kampfes der Eisenbahner 86) tendierten. Wir bedauern dies umso mehr, da ihr Buch („État des lieux“) (48), wie der „Courant alternatif“ (49) qualitativ hochwertig sind und es eine gemeinsame Basis gibt. Das Klima hat sich über die letzten Jahre etwas enteist.
Aber die Divergenzen bleiben bestehen. Sie scheinen aus einer Ablehnung zu stammen, die sozialen Bewegungen wertzuschätzen, mit ihren Widersprüchen und Grenzen (hieraus stammt ihre fortschreitende Mythologisierung der losen Bündnisse, der Hausbesetzungen, der alternativen Rockmusik…), und die Schwierigkeit eine Intervention in die Masse zu akzeptieren; wodurch sie versuchen den „radikalen Kern“ zu stärken, der heutzutage leider ghettoisiert wird, auf der Suche nach einem „Rupturismus“, der sich ohne Zweifel mehr auf den Linksradikalismus von Nach-68 bezieht, als auf die heutigen Gegebenheiten. Zwischen unserer Suche eine Artikulierung der Massenbewegungen/radikalen Ausdrucksformen und einer Problematik des radikalen Bruchs einer Minderheit ist der Abstand groß. Aber nichts steht im vorhinein dieser Debatte im Wege. Diese Debatte erfolgte in den letzten Jahre nur, durch den Impuls zur „libertären Alternative“ oder durch die Zeitschrift „Noir et Rouge“ (50).
Auch wenn die UTCL einige Schwieirgkeiten hatte sich vom Sektierertum und der Ablehnung von Debatten zu trennen, müsssen wir anmerken, dass die „Alternative libertaire“, als neue Strömung, die auch aus vielen Unorganisierten besteht, sie auf die Weise beeinflusste. Wir loben uns dafür, während wir daran erinnern, dass diese Zögerlichkeiten gegenüber den Debatten die tiefen politischen Unzulänglichkeiten verdeutlichen, und das die notwendige Erneuerung des libertären Kampfes sich nicht in endlosen diplomatischen Prozessen verlaufen und ertränken darf, die die grundlegende Debatte und soziale Praxis vergessen lassen.
Am 4. Kongress verdeutlichte die UTCL die Perspektive, die sie vorgeschlagen hatte, die sie mit „Construire un courant nouveau“ [„eine neue Strömung aufbauen“] betitelte.
Die UTCL setzte, durch ihren Jahre langen Fortschritt, die Bedingungen fest, die zur ihrer Überwindung beitrugen.
Durch die neue historische Epoche in die wir eintraten erhöhte den Durck: wir mussten eine Struktur verlassen, die durch die vergangene historische Epoche geprägt wurde, eine Struktur die von innen in Frage gestellt wurde, und die uns die Entwicklung nicht erlaubte, die der notwendige Schritt für das Erreichen unserer Ziele war.
Schließlich sorgte die Existenz von Genossen, die sich in die gleiche Richtung bewegten, dafür, dass wir diesen Prozess als möglich ansahen, indem wir unsere Übereinstimmungen gleichmäßig bildeten, und unserer Seits die UTCL überwanden.
Die Etappen des Prozess sind bekannt: Gründung einer Libertär-kommunistischen Koordination auf Initiative der TAC in 1988; der „Appel pour une Alternative libertaire“ Anfang 1989; die Gründung der „Collectifs pour une Alternative libertaire, die „CAL“; ihre Koordinierung, die Abhaltung von drei nationalen Vollversammlungen.
Während des gesamten Prozess hat die UTCL ihre Intentionen klar formuliert, wie es die verschiedenen Debatten-Zeitschriften bezeugen, in der sie sich äußerte. Ihre Militanten haben sich entschieden für den „Appell“ und in den CAL engagiert, die Spielregeln beachtend: individuelle Teilnahme, Verweigerung der Gründung einer „Fraktion“ und so die Möglichkeit aller respektierend sich frei zu positionieren, wie es die Debatten zeigten, in denen die Genossen der UTCL voneinader abwichen.
So war das Verhältnis zwischen der UTCL und dem Gründungsprozess einer neuen Organisation eindeutig verlaufen, es war eine offener und gemeinsam entschiedener Zusammenschluss, die „Alternative libertaire“ war jedes Mal die Herrin ihrer Entscheidung ohne einer bestimmten Position unterworfen zu sein. Es wurde eine politische Einigung über den Inhalt erzielt, wobei jeder im Rahmen einer Debatte über einen Vorentwurf des Identitätstextes seine Meinung äußern konnte. Dieses Dokument lehnt zwar die im Laufe der Jahre erzielten Errungenschaften nicht ab, hebt jedoch auch deutlich die Unterschiede und Fortschritte zwischen der neuen Organisation und der UTCL hervor: Es drückt einen echten gemeinsamen Ansatz aus, bei dem die UTCL nichts aufgezwungen hat, aber auch ohne grundlegenden Zugeständnisse gemacht zu haben.
Schließlich ist es nicht unser verschulden, dass nur die CJL und die UTCL die einzigen Organisationen waren, die Teil des Prozess blieben: ohne Kommentare über die FA abzugeben, stellen wir fest, dass die OCL schon abgelehnt hatte sich mit der „libertär-Kommunistischen Koordination“ zu assoziieren; und dass die TAC die CAL verlassen hatten ohne eine tiefgehende Debatte geführt zu haben. Auf unserer Seit haben wir immer die legitimen Bedenken ernst genommen, die während der Debatten mit allen libertären Strömungen durch die Unterschreibenden ausgedrückt wurden. Vollversammlung nach Vollversammlung wurden neue Initiativen in diese Richtung ergriffen.
Der 5. Kongress der versammelten UTCL vom 16. Juni 1991 erkennt mit Genugtuung die Fortschritte der CAL an.
Das Manifest für eine libertäre Algternative, das während der Gründungs-Vollversammlung der neuen Organisation am 18-20 Mai 1991 angenommen wurde, drückt die ideologischen, theoretischen, strategischen und praktischen Konvergenzen außen, die mehr als ausreichend sind.
Die CAL vervielfältigen sich, die Initiative gewinnt mehr und mehr Genossen, und die Perspektiev eine Organisation mit mehr als der doppelten Mitgliederzahl der UTCL aufzubauen erscheint immer wahrscheinlicher.
Der 5. Kongress beschließt die Selbstauflösung der UTCL. Ihre Mitglieder werden Teil der neuen Organisation und arbeiten an ihrem Aufbau weiter.
Wir bringen unsere Bildung, unsere Einbettung an der Basis, unsere Kontakte und unsere materiell Infrastruktur mit. Wir sind entschieden die interne Demokratie der neuen Organisation zu respektieren und weigern uns jede Form von Netzwerk, Tendenz oder Fraktion zu etablieren. Jeder Militante, jede Militante, die vorher Teil der UTCL waren, engagiert sich persönlich und frei in der neuen Organisation.
Die Struktur der UTCL besteht nicht mehr.
Die Freundschaftsbande verbleiben und erweitern sich.
Wir verleugnen in keinster Weise die letzten 17 Jahre des Kampfes für den libertären Kommunismus und revolutionären Syndikalismus, und engagieren uns ohne Hintergedanken doch voller Erinnerungen in das Projekt der „Alternative libertaire“.