Wer auf der Suche nach Anarchismus antiquarisch unterwegs war und sich umschaute, traf irgendwann in den letzten Jahrzehnten auf den Buchhändler Pu Schröder aus Oldenburg. Er war vom Typ „geschichtsbewußter Co-Referent auf Veranstaltungen“. Für solche Auftritte ließ er sich die Haare grau wachsen und zögerte nicht, Jahr um Jahr älter zu werden. Er tat dies guten Herzens und nicht allzu ausufernd. Damit auch Jüngere sich bilden mögen, reduzierte er die Preise seiner Bücher teils sehr gehörig. Zudem zeigte er sich reisefreudig ins benachbarte Bremen, wo die dortige Freie Arbeiterinnen- und Arbeiter Union (FAU) seit dem Jahr 2000 zu anarcho-syndikalistischen Rätegedenken für die Gefallenen der Bremer Räterevolution von 1919 aufrief.
Mit schwarz-roter Fahne traf er 2009 am winterlichen „Waller Friedhof“ auf die sich am Eingang sammelnden Genossinnen und Genossen. Pu stellte sich vor, sinngemäß mit „Hallo, ich bin der Pu“, und fragte, ob jemand von uns einen Stock für sein Banner mit A-im-Kreis hätte. Da er lediglich ein Herzliches Willkommen erhielt, suchte er sich einen rustikalen Stumpf eines abgelebten mittelgroßen Weihnachtsbaumes, um schließlich mit daran flatternder Spitze kraftvoll über den Friedhof zum Rätedenkmal zu ziehen. Ein Foto hingegen zeigt ihn nach mehreren hundert Metern Fußmarsch mit deutlich altersgerechtem Fahnenstab. Auch konnten wir ihn auf unserer Anschlußveranstaltung im Naturfreundejugendhaus „Buchte“ als leidenschaftlichen Bücherfreund ablichten.
Im Gegenzug besuchten wir ihn in seinem Antiquariat in Oldenburg in schöner Hafenlage. Er bot uns Tee an, den wir, vertieft in seine Bücher, schnell kalt werden ließen. Er nahm es uns nicht krumm. Und damit wir auch wirklich alle Bücher ansehen konnten, ließ er uns sogar in sein Schlafzimmer, das sich nur durch ein kleines Bettchen von den übrigen Bücherräumen unterschied. Weder Zimmerfarben noch Tapeten waren erkennbar. Als wir der Augen müde, jedoch bester Laune endlich Bier ins Haus holen wollten, wurde er nachdenklich, dann urplötzlich müde und ruhebedürftig. Dennoch war er ein prima Gastgeber und wir neue Besitzer Säcke voller Bücher.
Bis jüngst hörte ich von ihm vor allem in seiner Funktion als anarchistischer Buchhändler und als Anlaufstelle für Anarchismusinteressierte im Raum Ostfriesland. Auch meine ich, ihn irgendwann am 1. Mai in Bremen auf dem „Buchtstraßenfest“ gesprochen zu haben. Doch werden mir mit den Jahren die Erinnerungen blass. Was nicht geschrieben steht, droht schnell zu verschwinden. Pu Schröder wußte dies.

Autobiographie von Pu Schröder:
https://alltagsanarchie.de/ueber-uns/
Presseartikel zu Pu Schröder: