Protest bei Lebenshilfe Frankfurt: Mitarbeiter kämpfen für Tarifvertrag

Frankfurt, 21.05.2015 – 80 Menschen haben heute gegen prekäre Arbeitsbedingungen in der Behindertenhilfe protestiert. Bei einem lautstarken Spaziergang durch Frankfurt Hausen trugen Mitarbeiter der Lebenshilfe Frankfurt am Main e.V. sowie weiterer sozialer Träger ihre Forderung nach Abschluss von Tarifverträgen auf die Straße.

Organisiert hatten den Spaziergang mehrere Beschäftigte der Lebenshilfe Frankfurt. Ein großes Banner mit der Aufschrift „Tarifvertrag jetzt!“ zeigte, worum es geht: „Wir fordern den Vorstand der Lebenshilfe dazu auf, endlich in Tarifverhandlungen mit uns einzutreten. Wir wollen und können nicht länger warten!“, erklärt eine der Beschäftigten. Auch Mitarbeiter des CeBeeF, sowie Mitglieder des Netzwerks der sozialen Arbeit haben sich dem Spaziergang angeschlossen, da sie ebenfalls für bessere Arbeitsbedingungen und eine angemessene Entlohnung bei sozialen Trägern eintreten. „Gerade bei freien Trägern im sozialen Bereich sind die Arbeitsbedingungen oftmals prekär und die Löhne liegen teilweise erheblich unter gängigem Tarif. Das wollen wir nicht länger hinnehmen und deshalb sind wir heute hier“, sagt einer der Anwesenden. Neben Mitarbeitern dieser zwei Träger waren auch zahlreiche weitere Kollegen aus dem sozialen Bereich vor Ort, um ihre Solidarität zu zeigen. Einige Eltern von Klienten, die von Mitarbeitern der Lebenshilfe betreut werden, unterstützen den Protest ebenfalls.

Um sich für die Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen einzusetzen, hatten sich einige der rund 60 geringfügig beschäftigten Mitarbeiter der Lebenshilfe vor mehreren Monaten in der basisdemokratischen Gewerkschaft FAU organisiert und fordern seitdem vom Vorstand der Lebenshilfe Volker Liedtke-Bösl die Aufnahme von Tarifverhandlungen. Die meisten der Minijobber sind neben dem Studium bei der Lebenshilfe tätig und unterstützen in Einzelbetreuungen Menschen mit geistiger Behinderung in ihrer Alltags- und Freizeitgestaltung. „Seit 12 Jahren wurde unser Gehalt nicht mehr spürbar angehoben.“, berichtet eine Betroffene.
„Während unsere vollzeitbeschäftigten Kollegen in Anlehnung an den Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes bezahlt werden, verdient ein Großteil von uns nur zwischen 9€ und 9,50€ pro Stunde. Das ist nicht nur eine unangemessene Entlohnung für die verantwortungsvolle und wichtige Arbeit, die wir leisten, sondern auch viel zu wenig, um in einer teuren Stadt wie Frankfurt den Lebensunterhalt zu finanzieren!“

Bisher lehnt Liedtke-Bösl die Aufnahme von Tarifverhandlungen mit der FAU-Betriebsgruppe ab. Die Mitarbeiter hoffen darauf, dass der Vorstand nach dem heutigen Tag seine Entscheidung nochmals überdenkt. Ansonsten werden sie weiterkämpfen.