Solidarität mit den Aufständischen in Griechenland! Demonstration am 19. Mai 2010 Frankfurt/Main


Bei teilweise strömendem Regen zogen am gestrigen Mittwochabend gut 200 Demonstrant_innen durch Frankfurt am Main, um ihre Solidarität mit den Kämpfenden auf Griechenlands Straßen auszudrücken.
Auf dem anderthalbstündigen Zug wurde wichtigen Stationen in der Frankfurter Innenstadt ein Besuch abgestattet, darunter der Europäischen Zentralbank (EZB), der Kreditanstalt für Wiederaufbau (kfw) sowie dem Griechischen Generalkonsulat. Pointierte Redebeiträge unterfütterten an den einzelnen Stationen die Kritik an den herrschenden Verhältnissen.

Griechenland Soli-Demo Frankfurt 2010

Foto: Solidaritätsdemo auf der Kaiserstraße in Frankfurt Richtung Europäische Zentralbank (rechtes Hochhaus im Hintergrund)


Rede der FAU-Frankfurt vor dem griechischen Konsulat in Frankfurt während der „Solidaritätsdemonstration mit den Kämpfenden in Griechenland“ am 19. Mai

Seit Monaten schon müssen wir uns die Propaganda über die so genannten Pleite-Griechen und die Faulenzer vom Mittelmeer anhören. Phantasiert wird von Luxus-Renten und einem Super-Sozialstaat in Griechenland.
Bei all den Lügen ging und geht es einzig und alleine um die Mobilisierung rassistischer Ressentiments. Die herrschenden Eliten wollen schon jetzt klarstellen, dass nicht sie die Schuld an den auch hier in Deutschland kommenden Kürzungen im Sozialbereich tragen, sondern eben jene griechischen Frührentner, die nicht arbeiten wollen und nur faul in der Sonne liegen.
Schließlich – und nur nach der Verabschiedung eines brutalen Sparprogramms durch die Regierung in Athen – wurde die so genannten Griechenlandhilfe freigegeben.
Doch was hat es mit einer Hilfe auf sich, die von über 70% der griechischen Bevölkerung abgelehnt wird? Die nicht sparen will, wo es nichts mehr zu sparen gibt?
Bei Durchschnittslöhnen von knapp 800,- Euro.
Bei einer Durchschnittsrente von 560,- Euro.
Bei einer Jugendarbeitslosigkeit von über 30%.
Wenn die Regierung zugleich Milliardensummen für U-Boote, Fregatten und Kampfpanzer aus Deutschland und Kampfflugzeuge aus Frankreich überweist.
Wer hilft hier eigentlich wem?
Von wenigen Placebo-Effekten, wie der Einführung einer Luxussteuer von sage und schreibe 1% auf Yachten, Hubschrauber, Nobelvillen und Luxuskarossen abgesehen, verfolgt das Schockprogramm, das von IWF und EU über Griechenland verhängt wurde, nur ein einziges Ziel: Wir – die Herrschenden – bezahlen nicht für unsere Krise! Weder in Deutschland, noch in Griechenland, noch sonst wo!
Dazu ein passendes Zitat des US-Multimilliardärs Warren E. Buffet von 2005: „Es herrscht Klassenkrieg, richtig, aber es ist meine Klasse, die Klasse der Reichen, die Krieg führt, und wir gewinnen!“
Wer gewinnt werden wir noch sehen!
Klar ist, die europäischen Eliten wissen, was vom Ausgang des öffentlichen Freilandversuchs in Griechenland abhängt.
Auch andere Staaten der Eurozone – wie Portugal, Spanien, Irland und Italien – stehen am Rande des Staatsbankrotts und vor ähnlichen Schockprogrammen. Gelingt es dem griechischen Staatsapparat die staatliche Krise zu vergesellschaften – also das Sparprogramm gegen die Bevölkerung durchzusetzen – wird dies ein verheerendes Signal für alle Widerstandsbewegungen in den europäischen Ländern sein, die als nächstes an der Reihe sind!
Klar ist, es gibt tausend gute Gründe dafür Widerstand zu leisten, und noch einmal tausend gute Gründe für einen sozialen Aufstand! Und nicht nur in Griechenland!
Morgen, am 20. Mai, wird ein erneuter Generalstreik mit großen Demonstrationen in Griechenland stattfinden. Der Kampf der Streikenden dort wird auch für uns geführt!
Machen wir ihren Kampf zu unserem Kampf!
Seid wachsam! Informiert euch! Glaubt nicht den Lügen der Medien!
Unterstützen wir die Kämpfenden in Griechenland mit unseren eigenen Kämpfen!
Für die Freiheit – für die Anarchie!
Solidarität ist eine Waffe!   


Solidarität mit den Aufständischen in Griechenland!
Aufruf zur Demonstration am 19. Mai 2010 (Mittwoch) um 19 Uhr in Frankfurt/Main
- Bockenheim, Uni-Campus

Staatsbankrott in Griechenland - deutsche Steuern für griechische Frührentner? Mit solcherart Hetze werden seit Wochen rassistische Ressentiments in der deutschen Bevölkerung geschürt. Prophylaktisch stellen die Herrschenden schon jetzt klar, dass nicht sie die Verantwortlichen für die zu erwartenden weiteren sozialen Einschnitte in Deutschland sind.

Schuld seien "die Griechen". Die nämlich, so das in den bürgerlichen Medien der BRD vermittelte Bild, sind korrupt und faul, haben jahrzehntelang über ihre Verhältnisse gelebt, um danach ausgeruht mit 50 in Frührente zu gehen.
Und nun, in Erwartung rettender deutscher Steuergelder, besäßen sie auch noch die Frechheit, gegen dringend gebotene Lohnkürzungen zu streiken.

Das ressentimentgeladene Rauschen im deutschen Blätterwald ist die Begleitmusik zur knallharten Durchsetzung des Stabilitäts- und Wachstumspaktes in der Europäischen Union. In der Wirtschafts- und Finanzpolitik steht das Griechenland seit Anfang des Jahres faktisch unter Zwangsverwaltung. In der EU-Kommission geht die Angst vor einem Auseinanderbrechen der Eurozone um. Nicht nur die griechische Schuldenkrise gefährdet die Stabilität der Gemeinschaftswährung, sondern der als Domino-Effekt befürchtete Bankrott in weiteren Mitgliedstaaten. Die nach monatelangem Gezerre bewilligte milliardenschwere Finanzhilfe von EU und IWF gab es erst nach der Zusage "schmerzhafter Reformen".

Die griechische Bevölkerung reagierte mit einem 48-stündgen Generalstreik, Besetzungen staatlicher Gebäude und Fernsehsender und wütenden Großdemonstrationen. Allein in Athen gingen am 5. Mai bis zu 200.000 Menschen auf die Straße. Tausende von ihnen versuchten über Stunden unter der Parole "heute brennt, heute brennt, dieser Puff das Parlament" eben jenes zu stürmen. Nur mit dem brutalen Einsatz von Sondereinsatzkommandos der Polizei gelang es, die "Volksvertreter" vor ihrem Volk schützen.

Während der Demonstrationen kam es zu einem tragischen Zwischenfall, als bei einem Brandanschlag in einem Gebäude der Marfin-Bank drei Bankangestellte an giftigen Dämpfen erstickten. Der Tod dreier unschuldiger Menschen liegt seitdem wie Blei auf den Seelen der kämpfenden Menschen in Athen und Griechenland.

Wir werden am Mittwoch den 19. Mai in Frankfurt demonstrieren, um unsere Solidarität mit den Kämpfenden in Griechenland auszudrücken und die wahren Schuldigen an der Misere zu benennen!

Wir sind solidarisch mit den streikenden Arbeiterinnen und Arbeitern, den Rentnern und Rentnerinnen, den Angestellten, der aufständischen Jugend und wünschen ihnen Erfolg.
Sie kämpfen gegen ungerechte Rentenkürzungen, gegen die Senkung ihrer Löhne und gegen die weitere Verschlechterung ihrer Arbeits- und Lebensbedingungen.

Ihre Streiks, der Generalstreik und ihre Kämpfe sind auch in unserem Interesse! Gelingt es der griechischen Bevölkerung die Angriffe des Kapitals zurückzuweisen, wird dies den Widerstand der Lohnabhängigen in den anderen Staaten Europas entscheidend stärken!
Die Bonzen in diesem Land, in Griechenland und in den anderen europäischen Staaten sollen ihre Krise selber zahlen!

Für die Freiheit, für die Anarchie!
Gegen die rassistische Hetze!

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