Mauern

Mir fehlt hier nicht die Zärtlichkeit,
Die fehlt mir auch draußen im Gewühl.
Doch mein Körper wird hart, immer zur Abwehr bereit;
Was mir hier fehlt, ist das Gefühl.

Das Geräusch des Schlüssels schmerzt körperlich:
Der Schwanz des Schließers ist aus Stahl.
Er stößt ihn ins Schloß - die Tür windet sich,
Dann kommt er, kommt er, kommt er nochmal.

Ich trage ihr Klamotten, warm halten sie mich nicht.
Ich fresse ihren Fraß, er wird ein Teil von mir sein.
Die Zelle ist mein Gehirn und wenn die Mauer bricht,
kommen die Schweine und richten sie mir ein.

Einbetonierte Köpfe, Herzen in Ketten,
Tauschen Pornos und Schläge und lügen sich an.
Nie besessene Frauen steigen Nachts von den Wänden in die Betten
Und machen den Gefangenen wieder zum Mann.

Programmierter Entzug, es war bestimmt kein Zufall:
Ich hab mich mittendrin verknallt.
Ein Brief wie eine warme Hand, flatterte in meinen Laufstall,
Steckte mich in Brand und gab mir einen Halt.

Was mir hier fehlt, ist die Zärtlichkeit,
Die fehlt mir auch draußen in unseren Strukturen.
Wir hissen schwarze Fahnen auf den Inseln, das Wasser steigt
Und verwäscht unsere Spuren.

Letzten Sommer (Ende der 80er Jahre, d. Red.) bin ich für zwei Wochen in den Knast reingeschneit, um eine Geldstrafe abzusitzen. In diesem Zusammenhang entstand dieser Liedtext.

Matze


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