Soziale Kontrolle und Städtebau

Unsere Städte gleichen gigantischen Baustellen. Ganze Stadtteile werden abgerissen und neu aufgebaut. Ein Aspekt dieses Städteumbaus ist die Aufrechterhaltung der sozialen Kontrolle der Bevölkerung. Am Beispiel Frankfurts soll dies verdeutlicht werden.Allerdings beinhaltet dieser Artikel im wesentlichen die ökonomische Sichtweise. Andere Kritiken z. B. die der Stadtentwicklungspolitik aus feministischer Sicht konnte und wollte der Autor nicht leisten.

Die Stadt- und Landschaftsplanung konnte in der Geschichte immer wieder einen entscheidenden Beitrag zur Aufstandsbekämpfung durch die herrschenden leisten. Wohnungsnot, Spekulation, beengte Wohnverhältnisse, Leerstand, Mietwucher haben bereits im 19. Jahrhundert zu mehrtägigen Revolten in den Arbeiterlnnenvierteln Berlins geführt.

In der Weimarer Republik hat sich diese Entwicklung fortgesetzt (Assoziationen, Bauhüttenbewegung u. a.). bis in die Zeit der faschistischen Diktatur hinein ist der Widerstand in der Arbeiterlnnenklasse immer wieder aufgeflammt (Mieterinnenstreiks in Berlin, Kämpfe im Hamburger Gängeviertel etc.).

Bis heute hat sich der Zusammenhang von Wohnverhältnissen und sozialen Bewegungen erhalten, deutlich geworden beispielsweise im Häuserkampf der 70er und 80er Jahre in der BRD, England und der Schweiz.

Soziale Kontrolle am Beispiel der Stadtentwicklung in Frankfurt

Mit der Durchdringung sämtlicher Lebensbereiche mittels der kapitalistischen Wirtschaft werden auch die Städte immer mehr durchplant. Ob im ökonomischen, sozialen oder kulturellen Bereich alles wird unter profitablen Gesichtspunkten geplant und durchgeführt. Mit der immer komplexer werdenden Weltwirtschaft werden Ländern, Regionen und Städten bestimmte Funktionen zugewiesen die dem Prinzip des Geldscheffelns am besten entsprechen. Regionen, in denen die alten Industrien (Auto, Chemie, Werft, Stahl) stark vertreten sind und in denen es auch eine kämpferische Arbeiterlnnenschaft gibt ‚ werden planmäßig in die Verelendung getrieben.
Dagegen werden in Gebieten wie im Großraum München und im Rhein-Main-Gebiet neue zukunftsträchtige Industrie- und Dienstleistungsunternehmen aus dem Boden gestampft.

Mit diesen enormen technisch-ökonomischen Umwälzungen gehen auch gigantische Veränderungen in den Städten einher. Ganze Straßenzüge und  Stadtviertel werden abgerissen und umstrukturiert, um den neuen Erfordernissen einer modernisierten kapitalistischen Gesellschaft‚ gerecht zu werden.
Begleitet wird dieser Prozeß durch unterschiedlichste Maßnahmen‚ am den Widerstand aus der Bevölkerung zu kanalisieren oder gar im Keim ersticken zu können. Wird doch in unserem Alltag sei es im Bereich der Lohnarbeit, im Wohnbereich oder im Bereich der Freizeit einschneidend eingegriffen. Gewohnte Lebenszusammenhänge werden zerrissen und neu zusammengesetzt.

Ob ausgegrenzte Punks, ob garantierte Arbeiterinnen oder intellektuelle Yuppies in einer Großstadt wie Frankfurt wird allen Menschen ein soziales und räumliches Gebiet zugewiesen.
Das Wachstumsmodell der Stadt Frankfurt zielt mit der Konzentration der Investition und der Planung auf die Bedürfnisse der oberen Einkommensgruppen und auf die überregionalen, und möglichst international wettbewerbsfähigen Höhepunkte.

Die wirtschaftliche Entwicklung Frankfurts

Mit dem Flughafen Rhein-Main hat die Region ein erstklassiges Einfalltor für die nationalen und transnationalen Konzerne. Zudem wird dieses Gebiet mittels Eisenbahn- und Autoverkehrsknotenpunkt und seinen Wasserwegen Rhein und Main gut erschlossen. Dieses und die Funktion als Börsen, Banken und Dienstleistungsmetropole führt zu einer herausragenden Stellung unter den deutschen Städten verbunden mit immensen Wachstumsmöglichkeiten.
Die Innenstadt ist sowohl städtebaulich/kulturell als auch ökonomisch aufpoliert worden. Dienstleistungsunternehmen und Zukunftsindustrien nisten sich in der Innenstadt ein mit ihrem Bedarf an hochqualifizierten Arbeitskräften bei gleichzeitiger Nachfrage nach schlecht qualifizierten Produktions- und Dienstleistungsarbeiterlnnen.
Weitere Indizien die ökonomische Weltmarktsposition zum verstärken, sind der Ausbau der Messekapazitäten mit U- und S-Bahn-Anschluss, das Messehochhaus und die Messeum- und Neubauten. Auf dem Bankensektor erfolgt die Ausweitung mittels neuer Hochhausbauten, dem Ankauf ganzer Straßenzüge (z. B. im Bahnhofsviertel durch die Dresdner Bank) und dein energischen Versuch der Stadt die europäische Zentralbank nach Frankfurt zu bekommen.
Dieser Aufstieg der Stadt zur Metropole läßt sich mit den Begriffen Tertiärisierung (Entwicklung hin zu Dienstleistungsarbeitsplätzen) und Internationalisierung fassen.

Mit dem Sterben bzw. der Umstrukturierung der alten Industriebranchen geht die Beschäftigungszahl hier immer mehr zurück. Die Zeiten, in denen diese Branchen der Motor für die kapitalistische Entwicklung gewesen waren, sind vorbei. Der Chemie-Konzern “Hoechst AG“ und der Auto-Konzern “Opel AG“ in Rüsselsheim sind von über 40.000 Beschäftigte auf zur Zeit 30.000, Tendenz fallend, geschrumpft.
Dagegen ist der Flughafen als größter Arbeitgeber Hessens auf fast 50.000 Beschäftigte- angewachsen. Der Ausbau des Flughafens ist gleichzeitig Ursache und Folge des weltweiten Schnelltransports mittels Flugzeugen. Er gibt Impulse für die Neuorganisierung des Weltmarktes als Antwort auf die weltweiten Klassenkämpfe.
Von daher ist der Flughafen zusammen mit dem Bankensektor zum zentralen Wachstumskomplex aufgestiegen. Beide Bereiche bestimmen somit mit ihrer Sogwirkung die Gesamtstruktur des Rhein-Main-Gebiets

Die "‘neue" Frankfurter City

Vor diesem Hintergrund entsteht der Leitplan für die Frankfurter City. Computerkonzerne‚ Banken, Versicherungen prägen das Innenstadtbild und vernetzen auch darüber ihre Geschäftsbeziehungen (verdichtete Arbeitsplatznutzung). Da der Büroraumbedarf erheblich zunehmen wird, ist geplant, die Cityfunktion mittels Hochhausbau (12 sind konkret geplant) in Ost-West-Richtung auszudehnen.

Zudem soll es zu einer Verteilung der Funktionen zwischen Umland und City kommen, so daß regionale Zentren (Eschborn, Rüsselsheim, Hanau...) die City auch entlasten können. Durch Ausbau des Straßen- und öffentlichen Verkehrsnetzes soll das Funktionieren des Stadt/Umlandtausches (ca. 250.000 Pendlerlnnen) gewährleistet werden. Zudem sollen zentrale Arbeitsplätze und mehr Wohnraum geschaffen werden sowie die Wohnqualität und Erholungsmöglichkeiten verbessert werden. D. h. es werden kleine und große Fußgängerinnen- und Kulturerlebniszonen geschaffen.
Hierarchisch abgestuft werden die umliegenden Stadtteile entweder zu city-nahem Wohngebiet für Zahlungskräftige erklärt oder als Gewerbeansiedlungsgebiet ausgewiesen. Die Stadtteile mit billigen Altbauten werden saniert, modernisiert oder gleich abgerissen, um Platz zu gewinnen für Neubauten, in die die zahlungskräftigen Mittelschichten einziehen sollen.
Die sozial Deklassierten werden an die Stadtränder in die Wohnsilos der fünfziger und sechziger Jahre (z. B. Sossenheim, Nord-West-Stadt) abgedrängt. Sie sollen dann als abrufbereite Manövriermasse in unterbezahlten und ungarantierten Arbeitsverhältnissen arbeiten.

Vorbeugung durch soziale Kontrolle

Um die Stadtteile, in die die sozial Schwachen abgedrängt wurden, nicht ganz verelenden zu lassen, entwickelten Stadtplanerlnnen hierzu kostengünstige Modelle der sozialen Kontrolle. So werden öffentliche Plätze klar bestimmt und durchstrukturiert. Durch bestimmte Bauformen soll nur eine begrenzte, vorgegebene Nutzungsmöglichkeit zugelassen werden, damit sie zur Festigung eines erwünschten Alltagsverhalterns beitragen. Die Spielplätze sind genormt und abgegrenzt, Rasenflächen dürfen nicht betreten werden.
Die Architektur der Hochhausanlagen und fünfziger Jahre Reihenhaussiedlungen schreiben durch ihren Wohnungszuschnitt den Lebensstil der Kleinfamilie vor. Konsequenz daraus war ein Anstieg der Aggressions- und Kriminalitätsrate, die nun wiederum mit Hilfe von Sozialarbeiterlnnen und Psychologlnnen eingegrenzt werden soll.
Das Bundeskriminalamt, das mit Soziologlnnen, ArchitektInnen, Kriminologlnnen, Psychologlnnen, PädagogInnen und PolitikerInnen zusammenarbeitet, hat auf einer Tagung zu “Städtebau und Kriminalität“ (1978) dafür plädiert, kriminalitätsmindernde Stadtstrukturen zu schaffen. Durch vorbeugende Maßnahmen soll unangepaßtes Verhalten verhindert und das Aufklären von Delikten garantiert werden.
Wohnkomplexe sollen so gebaut werden, daß sie übersichtlich sind, die Anonymität ab- und die soziale Kontrolle zunimmt. Auch die klare Strukturierung der Innenstädte, das Ausmerzen von verwinkelten Gäßchen und Hinterhöfen trägt zum Konzept der vorbeugenden Aufstandsbekämpfung bei. Dazu kommt noch die Videoüberwachung aller wichtigen Straßen und Plätze, Polizeistreifen in konfliktanfälligen Gebieten sowie der Einsatz von Plexiglasscheiben und anderer pflegeleichter schwer zerstörbarer Materialien.

Die Funktionen der lnnenstadtviertel

Die Viertel in der Innenstadt bekommen Funktionen zugewiesen, die in Beziehung zueinander stehen, z. B. steht die Konsumrennbahn Zeil als überregionale Einkaufszone zur Verfügung und der östliche Innenstadtbereich dient zum verdichteten Citywohnen. Überschaubare räumliche Einheiten mit entsprechenden Funktionen sollen entstehen wie der Römerberg für öffentliche Verwaltung, Univiertel, Erlebniszonen wie das Mainufer oder der Aufbau einer zweiten Zeil vom Hauptbahnhof, Kaiserstraße über Hauptwache bis zum Eschenheimer Turm.
Stadtteile mit noch unklarer Nutzung und niedrigen Mieten werden von sozial Schwachen, AusländerInnen, Flüchtlingen zwischengenutzt (Sanierungsnutzung)‚ bis dann ein aggressiver, profitabler Gesamtplan diese Gruppen wieder verdrängt.
Die Gebiete Bahnhof, Gutleut/Gallus und Ostend sind in diesem Konzept noch Schwachpunkte, auf die der städteplanerische Angriff in den nächsten Jahren zielt. Vergleichbar ist dieser Angriff mit der Durchsetzung des Westends als Bankenviertel. An der Mainzer Landstraße entlang, am Platz der Republik und am Güterplatz bis hin zur Galluswarte sind diverse Hochhausprojekte geplant. Es gibt Planungen zur Ausweitung des FAZ-Verlagsgebäudes, auf der Südseite des Haupthahnhofes soll das höchste Hochhaus Europas - das Campanile - entstehen, und das Behördenzentrum in der ehemaligen Gutleutkaserne ist schon Realität.
In diesem Sog der Hochhausplanungen geht jetzt schon in den Altbauten dieser Viertel eine Modernisierungsoffensive einher. Schließlich sollen für die dort hochbezahlt Arbeitenden auch entsprechend aufgewertete Wohnungen in der Umgehung bereitstehen. Dies hat zur Folge, daß die dort ansässige Bevölkerung, überwiegend AusländerInnen (im Bahnhofsviertel die Hälfte davon illegal), vertrieben wird.

Im (Gutleutviertel wohnen neben AusländerInnen, viele 2.Welt-Krieg-Flüchtlinge, sozial schwache Familien und JobberInnen. Auch sie sollen Platz machen für die gehobene Wohnqualität am Main, Luxushotels und Bürobauten.
In den letzten Jahrzehnten entstanden neue Haushaltstypen wie Singlehaushalte, Wohngemeinschaften, Ehen ohne Trauschein, Hausgemeinschaften, die in einigen Städten eine dominierende Lebensform geworden sind. Diese sind vor allem in Altbauwohnungen zu finden, wo durch den Wohnungszuschnitt ein breiterer Spielraum für verschiedene Lebensweisen vorhanden ist.
Daher finden sich in den Altbauvierteln zunehmend eine Kombination von Alternativscene und Yuppies, die trotz ihrer unterschiedlichen Lebensstile doch Gemeinsamkeiten in Hinblick auf Kreativität, Kultur und Bildung haben. Da, wo diese Scenen aufeinander treffen und quantitativ stark genug sind, kommt es zu einer Aufwertung von Stadtvierteln.

In Bockenheim ist beispielhaft exerziert worden, wie ein ganzes Viertel gegen die Willen der Bevölkerung behutsam umgestaltet worden ist, so daß größere Auseinandersetzungen vermieden werden konnten.
Umgrenzt von Messe, Einfallstraße Theodor-Heuss-Allee, dem Bankenviertel Westend, und mit dem inneren Ausbau durch Sanierung und Modernisierung, der Mini-Zeil Leipzigerstraße, teuren Lokalen, U-Bahn Ausbau, Ladengalerie... ist Bockenheim zu einem noblen Viertel aufgestiegen. Früher galt Bockenheim mit seinem hohen AusländerInnenanteil, den vielen StudentInnen, den Häuserkämpfen der siebziger Jahre als Problemviertel, in dem es auch ständig Aktionen gegen Sanierungspolitik gab. Inzwischen ist das Viertel wieder “sozial verträglicher“ zusammengesetzt. Für einen reibungslosen Ablauf wurden wahrscheinlich zeitliche Verzögerungen und ein hoher Einsatz an Geldern in Kauf genommen. Großzügig wurden Ersatzwohnungen angeboten, eine Altenwohnanlage wurde gebaut und die Mieten in den modernisierten Wohnungen für die nächsten Jahre auf niedrigem Niveau gebunden. Danach darf dann aber kräftig erhöht werden!
Angefangen hat diese Sanierungspolitik nach den Häuserkämpfen Anfang/Mitte der siebziger Jahre mit dem Pilotprojekt "Modernisierung und Beratung" in Bornheim und Nordend. Nach einer Phase der Akzeptanzforschung wurden die Beratungsaufgaben an stadtteilnahe Architektenbüros abgegeben. Die Büros beraten umsonst und die Stadt bezahlte.
So ist denn die Zersplitterung von Lebenszusammenhängen, das Durchmischen verschiedener Klassen und Schichten sowie die Auflösung von Nachbarschaften von Leuten mit ähnlicher Lebenserfahrung kein bedauerlicher Nebeneffekt, sondern politisches Ziel der Sanierungen und Umsiedlungen.
Mit der City West soll zwischen Opel-Rondell und Bockenheim ein völlig neu strukturierten Wohn- und Arbeitsviertel (20.000 Büroarbeitsplätze und 4000 Wohnungen) entstehen. Mit seiner Messenähe hat es eine erstklassige Lage.
Neben diesen großen stadtplanerischen Maßnahmen gibt es noch eine Unzahl von kleineren Projekten, die alle in den großen Leitplan des Wohnens, des Erholens und des Arbeitens von gut bezahlten Arbeitskräften eingebettet sind. Das weltweit größte China-Zentrum soll nach Sachsenhausen kommen; Ausbau der Universität am Niederurseler Hang; Erholungszentren wie im Niddatal ausgelöst durch die Bundesgartenschau; Modernisierung des Nord-West-Einkaufszentrums; der Flohmarkt soll wieder an das Mainufer zurückverlegt werden etc.

Mit der Kulturpolitik wird das “richtige“ Lebensbild geprägt

Mit einer großen kulturpolitischen Offensive hat Frankfurt in den letzen Jahren sein oberflächliches Image aufpoliert. Kultur hat hierbei folgenden wirtschaftlichen Stellenwert:

· Kultur ist Standortfaktor. Sie bestimmt durch Qualität und Vielfalt die Wohnqualität. Stadtkultur wird so zum Mittel gegen die Stadtflucht der oberen Mittelschichten und erleichtert den Zuzug von Betrieben mit hochqualifizierten Arbeitskräften.

· Kultur als Industrie beschäftigt in der Regel überdurchschnittlich qualifizierte Arbeitskräfte und erzielt wachsende Umsätze.

· Kultur als Tourismusbranche lockt über kulturelle Einrichtungen und Veranstaltungen BesucherInnen in die Stadthotels, Gaststätten, Taxiunternehmen, öffentliche Verkehrsmittel etc. zehren von deren Ausgaben. Wo Kultur solche Ausmaße von kapitalistischen Verwertung annimmt, müssen kritische Inhalte und Gruppen ausgegrenzt werden. Daher ist Kulturpolitik ideologischer Kampf.

Doch darf diese Kulturpolitik nicht als direktes oder indirekter Anhängsel der Wirtschaft angesehen werden, sondern damit soll im Kern das Bild vom “richtigen“ Leben geprägt werden.

Herrschaft ist immer auch Herrschaft über die Köpfe und Herzen der Menschen. Und wer die Fähigkeit hat, die Vorstellung vom “richtigen“ Leben zu bestimmen, der hat auch die politische Macht.

Nach Berlin gibt Frankfurt mit über 11% vorn Haushalt am meisten für Kultur aus. Die Gelder werden für ein Metropolenimage eingesetzt, dem sogar die Menschen zujubeln, die die Lasten der Umstrukturierung zu tragen haben. Das Bild von einem Stadtleben wird geprägt, das sich in gehobenem Wohnen, besseren Arbeitsplätzen, weltweit beachteten Kultur und konsumförderndem Ambiente niederschlägt.
Alte Oper, Ausbau der Museen, Hochhausarchitektur, Lifting von Straßen und Plätzen in der Innenstadt sind Ausdruck einer Ästhetisierung von Luxus und Macht, die Identität stiften - offensichtlich über deren Nutzerlnnen hinaus.
Doch das Bild ist auch brüchig geworden. Spätestens mit der Kommunalwahl 1989 mit der Abwahl der CDU-Stadtregierung und dem Erstarken der NPD ist deutlich geworden, daß sich auf Dauer die sozialen Probleme der Stadt nicht unter das Straßenpflaster drücken lassen. Ausgegrenzten Menschen, denen es in den am Rande liegenden Stadtteilen an die Existenz geht, lassen sich nicht mit Pseudo-Kultur und Großstadtambiente neutralisieren. Gefragt sind wieder klare Konzepte, die die sozialen Nöte, Arbeitslosigkeit, Wohnungsnot, Identitätskrisen, zu lösen versprechen.
Ziel einer befreienden Stadtpolitik müßte es sein, daß diese Probleme die Betroffenen angehen - selbstbestimmt und selbstverwaltet, und so ein neues Konzept von Stadtleben finden, in dem der Mensch im Mittelpunkt steht.