"Wir versuchen eine neue Zeitung herauszubringen!"
Als wir mit diesem Satz mehr oder weniger um-süchtig in der Szene debütierten, rollte uns zunächst einmal eine Welle von Papiermüdigkeit entgegen.
“Was? ne neue Zeitung?, wie
denn, warum denn, ... wie stehts denn mit der Klassenbestimmung?“
“Ey, was solln des, gibt doch
eh schon genuch Papier...“
“Was denn noch...“
usw.
Das mit dem Papier stimmt
auffallend, davon gibt es nun wirklich tonnenweise was die Müdigkeit erklärt.
Wir sitzen, selig über die Gewißheiten, die damit verknüpft sind, auf unseren
Flugblattstapeln und können uns beruhigt zurücklegen. Papiere für jedes Thema,
Papiere und Sicherheiten. Die Welt ist zu Ende gedacht.
Alles erklärbar?
Papiere also!
Durchsetzungspapiere, wo steht,
was durchgesetzt werden soll, Standpapiere, wo steht, wo wir stehen, Wegepapiere,
wo steht; wo‘s lang geht, Bestimmungspapiere, wo steht, wo wir im Hier und
Jetzt stehen, Wir-haben-Heute-Papiere, wo steht, wo wir wieder entscheidend
zugeschlagen haben, Kommt-Alle-Papiere, Seid-Kollektiv-Papiere, Hinterfragtpapiere
und vieles mehr und all dies ist eminent dringend, alles notwendig und von
äußerster Wichtigkeit.
Alle diese Papiere, Artikel,
Reden, Flugblätter und sonstigen öffentlichen Äußerungen der “Szene“ sind
an einigen “wesentlichen Merkmalen“ erkennbar. Sie sind kämpferisch, voll
des Inhalts, fordernd, anklagend, aufdeckend, aber oft sterbenslangweilig.
Ganz, ganz selten schimmert,
und sei es auch nur zwischen den Zeilen, die vielbeschworene “Lust am Leben“
hindurch. Gemessen an den Texten der “Szene“ dürfte die Lust am Leben nicht
sonderlich groß sein.
Es sind oft Texte (Ausnahmen
gibts vor allem in der “Unzertrennlich“ und im “Schwarzen Faden“) vom Trockendock
unserer Träume und es läßt sich beinahe vermuten, daß die “Kraft zum Träumen“
(die ja bekanntlich notwendig ist, um kämpfen zu können) erst umständlich
herbeidiskutiert werden muß, bevor aus ihr dann so was ähnliches wie langfristige
Power kommt.
Nun, vielleicht soll und kann
die Lust auch nicht sein, bei so viel inhaltlicher Schwere, die unsere Worte
tragen müssen, vielleicht sogar unmöglich, bei einer Sprache, die wir auch
zur Abgrenzung brauchen, zum Schutz, zum Angriff, krasse Bedingungen schaffen
auch eine krasse Sprache.
oder...?
Da auf einmal verschafft uns
Sprache Lust, Leselust, die so lang vermißte, in unserem Diskussionszusammen-Hängen?
Die Zeitung soll da eine Ausnahme
werden (im Lauf der Zeit), denn es geht noch weiter. Menschen empfinden nicht
nur beim Lesen Un-Lust, es gibt tatsächlich auch welche, die gerne schreiben,
oder sich über einen Text in einer Zeitung in eine Diskussion einbringen möchten.
Trotz allen Kampfes leben in einigen von uns noch Gelüste, am Schreiben, an
Fotos, an Collagen, Bildern, Satiren, Globalanalysen und sonstigen Lebensäußerungen.
Diesen Leuten soll über die Zeitung Mut gemacht werden, sich zu äußern.
Schreiben kann befreien, kann
und soll Spaß machen, kann angreifen, entleeren, selbsttherapieren, sprengen.
Für Leute also, denen es mit
dem Schreiben um mehr geht, als zu informieren, ist die Schreibwerkstatt bzw.
Schreibwerkzeugkiste gedacht. Möglichkeiten, mit Sprache zu arbeiten, mehr
damit zu erreichen, als mit persönlicher Betroffenheit für andere er fahrbar
wird.
Vor allem wenn das zu Schreibende
tatsächlich verstanden werden soll, reicht manchmal persönlicher Stil und
einfach mal so runterschreiben, nicht aus. Anhand vieler Diskussionen und
Gespräche läßt sich schon bemerken, wie schwer es sein kann, manchmal sogar
unmöglich vom Gleichen zu reden, ganz abgesehen von, "verstehen, was
gemeint war“. Jede/r weiß, wieviele Mißverständnisse sich in Diskussionen
und Gesprächen ergeben. Genausoviele entstehen durch geschriebene Texte, wenn
die Worte unglücklich gewählt sind, wenn zum Schreiben vielleicht kein so
guter Bezug existiert, diese Leute aber trotzdem etwas zu sagen haben. Auch
Briefe aus den Knast können oftmals mißverstanden werden, da sie die einzige
Möglichkeit der Kommunikation darstellen Die oft vermittelnde Körpersprache
fehlt völlig und es liegt an den Worten, an den Sätzen, ob auch genau “rüberkommt“,
nach draußen, was drinnen empfunden und gedacht wird.
Texte haben dem Gespräch gegenüber
auch einen Vorteil. Es kann überlegt, durch Wortwahl, Wortklang und vieles
mehr einiges deutlicher gemacht werden, als durch Redewendungen. Die Schreibwerkstatt
ist für Menschen gedacht, die sich in dieser Hinsicht etwas beibringen wollen.
Also nicht falsch verstehen, es geht nicht um Leistungsdruck im Schreiben,
es geht um Schreiblust und Verständlichkeit. Kein Gedanke also an ein Schreibseminar
oder gar Belehrung.
Die Idee ging davon aus, daß
schon mehrfach Leute, die in Zeitungsprojekten mitarbeiten gefragt wurden,
wie das denn ginge, dieses Artikelschreiben. Leute, die sich unsicher fühlen
und dennoch etwas zu einem Thema sagen wollen, denen es wichtig ist, richtig
verstanden zu werden, aber an dem “Wie?“ scheiterten, was nun wirklich keine
leichte Frage ist.
Wie gestalte ich einen Artikel?
Wie baue ich das verständlich
auf? Wie kann ich meine Gedankengänge genau vermitteln? Welche Form des Textes
ist angebracht? (Erlebnisbericht, Analyse, Satire, einfach runterschreiben?)
Wie ausführlich? Welche Worte spiegeln in etwa meine Empfindungen wieder?
Gibt es solche Worte überhaupt? Oder muß ich welche neu erfinden bzw. verändern?
Was überhaupt
ist politisches und was ist privates Schreiben?
Diese Fragen stellen sich
bei jedem öffentlichen Auftreten, ob in Form von Text oder Rede und solche
Fragen könnten in der noch zu gründenden Schreibwerkstatt der Zeitung diskutiert
werden (anhand von eigenen Ideen und Texten).
Das Spiel
mit Worten
V e r d i c h t u n g e n
Verdichtungen sind sprachliche
Abenteuer Blitze, Boshaftigkeiten, Verdeutlichungen, die mehr auslösen als
langatmige, umständliche Erklärungen. Sie sprechen direkt an, ohne komplizierte
Umwege.
Ein Beispiel für die Verwendbarkeit
von Verdichtungen ist der "Beweisermittlungsantrag“ vom 27. Mai 1980,
den Fritz Teufel nach fünfjährigen U-Haft anläßlich seiner Verurteilung wg.
der Entweltlichtung des Kammergerichtspräsidenten v. Drenckmann und der Entführung
des Berliner CDU-Vorsitzenden Lorenz aus dem Hut zog. Teufel Fritz, wie er
sich selbst nannte, war hier sehr erfindungsreich, seine Texte voll offener
und versteckter Bezüge:
"Wie Sie sehen, habe
ich mich nach den Blödojes der Bundesanwälte rasiert und mir die Haare schneiden
lassen, um der Welt die FRATZE DES TERRORS zu zeigen..."
‘‘Teufel Fritz‘‘ hätte natürlich
das Wort Plädoyer benutzen können, mit der sprachlichen Richtigstellung von
Plädoyer zu Blödoje (Blöd oje) trifft er die Wirklichkeit selbstverständlich
sehr viel genauer.
Oder weiter...
“Nach allen Regeln der juristischen
Haarspalterei müssen sie Gründe für die Haftfortdauer und Höchststrafen finden.
So wills angeblich das Volk. So wollen die Politücker, von denen sie unabhängig
sein sollen..."
“Damen und Herren, sehen Sie:
Soweit Fritz Teufel zur “Be-Liebigkeit“
der Justiz.
Am einfachsten lassen sich
Verdichtungen schon durch bloße Großschreibungen, mit Trennungsstrichen am
richtig-falschem, Platz bilden. Das kennen wir ja schomn aus diversen Flugblättern.
"... beHERRschen ...
ver-HERRlichen ... ERnährer ... ReGlERungen ... NachHILFE ...“
Besser und treffender sind
minimale Verfälschungen über die sich erst mal hinweglesen läßt, die aber
einen kleinen Stoß versetzen und zum nochmaligen Lesen zwingen. So verwendete
Arno Schmidt den Begriff der
“bundesdeutsche Nazion“.
Dann weiter, läßt sich mit
Worten und Verfälschungen mehr und mehr aussagen, je nach Phantasie, Laune
sowieso und Zweck.
Was in der würgerlichen Fresse
steht sind ausgesprochene Leidartikel, der größte Teil einer einstmals heftigen
Bewegung ist zur (im) Alter-Naiv-Bewegung degeneriert und einige kleine Zirkelchen
huldigen noch immer denn hysterischen Materialismus.
Treffender und wahrheitsgetreuer
hätte selbst “Teufel Fritz“ es nicht formulieren können.
Die Bundesanwaltschaft sprach
tatsächlich von “Wahrheitserfindung“ und ließ sich nicht einmal vom ansetzenden
Lachsturm aus der Fassung bringen. Schließlich ist das auch ihre Aufgabe,
Wahrheit zu erfinden. Das Lachen bleibt im Halse stecken, denn bei dieser
Wahrheitserfindung geht es um Menschen, zuletzt Ingrid Strobl, die für erfundene
Wahrheiten fünf Jahre Knast bekam.
Eine einzige Silbe (er..),
eingefügt in das richtige Wort zur richtigen Zeit, entlarvt die Lüge vom Rechtsstaat
besser, als das dicke Bücher und gewichtige Flugblätter hätten tun können
Zum Schluß dieses Abschnitts
soll noch ein schönes Beispiel von Erich Mühsam angeführt werden, (in “Abrechnung“,
1918, Aufbau-Verlag, Berlin, 4. Kap.) der schrieb:
"...aber das Volk fühlt
sich doch vertreten und ahnt gar nicht, mit wie tiefer Berechtigung diesen
Ausdruck vom Wortstamme Tritt abgeleitet wird.“
Mühsams Gedanke läßt sich
auch ganz einfach durch eine Silbentrennung und Großschreibung wie “Parteien
ver-Treten das Volk“ oder der/die “VolksverTreter“ ausdrücken und damit auch,
was ganz allgemein von einem demokratisch-bürgerlichen Parteiensystem zu halten
ist.
B e i m W o r t n e h m e n
(absichtliche Konkretisierungen)
Damit ist eigentlich alles
gesagt, nicht wahr?
Interessant wird das ‘‘Beim
Wort nehmen‘‘ immer darin, wenn dadurch ein, entgegengesetzter Sinn entsteht,
dann vielleicht auch ein Angriff:
"Soldat, wozu brauchen
wir die Bundeswehr?‘‘ (Und damit eine konkrete Antwort hören will, wie etwa
Verteidigung oder den Schmonses von der Friedenssicherung) und die Antwort
erhält: ‘‘Jawohl, Herr Hauptmann, frage mich auch ständig, wozu eigentlich!!!“
Eine weitere absichtliche
Konkretisierung wäre beispielsweise so ein Wörtchen wie "wohnhaft in...".
Im Stadtteil Gallus in Frankfurt steht an einer den unsäglichen kasernenähnlichen
“Sozialwohnblöcke" der Hellerhofsiedlung groß das Wort “Wohnhaft“ gesprüht.
Knapper, deutlicher hätte die Wohnsituation der Menschen dort nicht ausgedrückt
werden können. Kein großes Wort vom Lohnklau durch Miete usw. hätte verständlichen
die Enge, Unterdrückung, Wut über die Wohnsituation be-greifen können, wie
dieses eine Wort an genau dieser Wand.
Als letztes Beispiel, gewissermaßen
um denn Appetit anzuregen, selbst solche Begriffe aufzustöbern, nochmal ein
Abstecher in die tristen Gefilde den Politik. Wie jede/r weiß, lebt die “Politik“
von Phrasen, Unüberlegtheiten und sprachlichen Unsäglichkeiten, und da ist
keine Partei, keine Bewegung, keine politisch sich äußernde Initiative ausgenommen.
Da trifft entweder meterdickes Pathos, schlichte Lügerei oder ganz einfach
befremdliche Selbstüberschätzung. Am dreistesten sind hierbei natürlich die
Parteien, und Sprüche wie “Wir sind Europa“ liegen einfach nur schmerzhaft
im Magen.
Aus der linksradikalem, Ecke
kommen manchmal Sätze, vor allem in BekennerInnenschreiben, die von entscheidenden
Schlägen gegen das imperialistische System reden, von Erschütterungen, vom
Stand des Kampfes.
Natürlich müßte an dieser
Stelle ein ellenlanger Exkurs beginnen, warum es meiner Meinung nach völlig
daneben gegriffen ist zu glauben, dieses weltweit operierende, in abertausend
miteinander verzahnten Organisationseinheiten strukturierte und von daher
sehr flexible kapitalistische System wäre erstens “lokal“ und zweitens durch
einen einzigen Angriff auch wirklich “entscheidend“ zu treffen. Die Betonung
liegt hier ganz ausdrücklich auf dem Wörtchen "entscheidend“.
Die Fehleinschätzung, die
in einem Satz steckt wie: "... wir haben heute dem imperialistischen
System einen entscheidenden Schlag versetzt...“, läßt sich auch ohne viele
Worte darstellen. Diesem Satz, eingefügt in einen anderen thematischen Zusammenhang,
beispielsweise als Erklärung für eine völlig (in “revolutionärer“ Hinsicht)
belanglose Aktion, ist dann seine Absurdität leicht abzulesen.
Das Verzerren einen solchen
Parole ins Groteske ist unbedingt solidarisch gemeint. Es geht ja gerade darum,
Angriffe zu starten, es geht ja darum, das auch sprachlich zum Ausdruck zu
bringen.
Es gibt durchaus Texte, die
den “Herrschenden“ weitaus mehr Kopfzerbrechen bereiten dürften, gerade weil
diese Texte nicht in völlig unzulänglichen Weise von ‘‘entscheidenden Schlägen“
reden, sondern von ganz konkret machbarem Möglichkeiten etwas durchzusetzen,
(z. B. die Angriffe auf Adler), hier und heute.
Genau diesen Verzerrungsversuch
unternahm ein “Volkszählungsboykottberater Alois Mieselprim" ‘in der
Aktion Nr. 28:
"Wir haben heute den
Kampf in der Metropole zu einer neuen Qualität verholfen. Im Frontabschnitt
Gutleutviertel haben wir dem militärischen Sektor einen entscheidenden, teilweise
sogar proletarischen Schlag versetzt. (..) Wir haben nämlich die 3. US-Panzerdivision
in die Flucht geschlagen... nun ja... vorerst... als Übung gewissermaßen...
real nur deren Musikkapelle, die einen Umzug durch das Wohnviertel veranstalten
wollte."
Und ähnlich, ein Stück weiter,
wird mit absichtlichen Konkretisierungen die Isolation dargestellt, in dem
sich linksradikale Politik befinden kam:
‘‘Endlich, endlich, endlich...
Ahlen Unkenrufen zum Trotz...
sie ist da, bei uns,
will wiederkommen,
die Arbeiterklasse
kam heute, in Gestalt zweier
Menschen, Bögen hatten sie keine dabei, aber Fragen, wie das ginge, mit denn
Boykott, und ob wir eine Fußballmannschaft hätten. Wir haben sie sogleich
über den historischen Materialismus und die Rolle des Metropolenproletariats
im Emanzipations- und Befreiungskampf auf der Straße und in der Fabrik aufgeklärt.
Natürlich auch über die Formen der Erweiterung des erkennenden Subjekts in
Relation zur Selbstbefreiung durch identitätsbezogene Provokationen des sich
transformierenden Ichs.
Sie meinten, daß das klar
ginge, und daß sie es weitersagen würden.“
E r f i n d u n g e n
(Klangassoziationen, Wiederholungen)
Wenn sie
in ihrem Dunst
öffentlich
Worte gegen uns tappen
springen
manchmal Schatten
voraus stolpern
aus dem versprecher
verbrecher
Christian
Geissler
Dann hilft es vielleicht weiter,
Worte zu erfinden und mit dem Klang eines Wortes oder Wortaneinanderreihungen
bzw. auch Satzaneinanderreihungen bestimmte Gefühle zu erzeugen. So läßt sich
eine langweilige Stimmung provozieren durch Verwendung immer des gleichen
Worts und des gleichen Satzbaus, dann... dann... Die DadaistInnen arbeiteten
mit diesen Formen, wie etwa die Musikgruppe “The Blech“ rausschreit: Verbrennt,
verfluut, des Schweines... “, diesen Satz immer lauter werdend wiederholt,
was letztlich in ein Gewirr von herausgeschrieenen Silben übergeht. Silben,
die frieren machen.
Wortklänge können Gefühle,
Bilder hervorrufen. So benutzen Autoren und Autorinnen in ihren Romanen oft
klang-volle Namen, um allein mit dem Klang schon eine Vorstellung beim lesenden
Menschen hervorzurufen.
So Heinrich Mann in, dem Abitursklassenquälroman
“Der Untertan“, dem Untertan den Namen Diederich Heßling gibt. Was läßt sich
unter Heßling vorstellen? Etwas kleines, feistes, unterwürfig-autoritäres,
wie es gedacht war? Bei mir hat der Name diese Vorstellung jedenfalls hervorgerufen.
Peter Paul Zahl arbeitet in
seinem Buch “Die Glücklicher“ (Schelmenroman) sehr häufig mehr Klangassoziationen
um spezifische Stimmungen darzustellen. So beispielsweise die folgende Situation,
die den meisten, die in Wohngemeinschaften gelebt haben, bekannt sein dürfte
und durch die Verwendung des immergleichen "Stell dir vor‘‘ in ihrer
Tristheit auch sehr gut übermittelt wird:
“Stell dir Jörg von, der mahnt
und schließlich selber aufräumt, stell dir Ilona vor, die mahnt und dann die
Kinder selbst in den Kinderladen bringt, stell dir Jörg vor, der den Obergenossen
mit Bakunin schlägt und abwäscht, stell dir Ilona vor, die gerade gelesene
Ideen aus rundum anerkannten Bücher (Schwarzer Umschlag) mit der kruden Wirklichkeit
vergleicht und Fenster putzt, stell dir Jörg vor, der zum Hausmeister rennt,
vier Mal, und mahnt die Heizung auch an den Wochenenden anzulassen, da Kinder
in der Etage seien sie doch mal Mensch, stell dir Ilona vor, die sich trotz
Reichlektüre weigert, mit denn Obergenossen zu schlafen, mit jedem anderen,
jeder anderen hier gern, aber nicht mit dem, stell dir Jörg vor, der Katzenstreu
kauft und Eier, der Brot kauft und Nudeln, Reis und Tomaten, Speck, Butter
und Mehl und Milch, stell dir Ilona vor, die dem Obergenossen und den Untergenossinnen
und den Untergenossen die jüngst gelesenen und nur zu gut verstandenen Theorien
vor Augen führt, ihre Praxis damit zu vergleichen, stell dir Jörg vor, der
den Bulli repariert und die Küche schrubbt, (...) stell dir Hans vor, die
von Ausbeutung durch Genossen spricht, stell dir einen Obergenossen vor, der
daraufhin nichts besseres weiß, als darauf hinzuweisen, daß schließlich er
das meiste Geld in die Kommune eingebracht, stell dir Jörg vor, der von Tauschwertcharakteren
spricht, stell dir Untergenossen vor, die gegen ihre eigenen Interessen den
Obergenossen verteidigen und von marxistischer
schreiben
können
wär eine
prima
alternative
dem kitsch
ein hart
entgegentreten
der eispickel
- dahinter
weiß ich
authentisches
-
der watte
trifft.
rauswühlen
schreien
wär eine
prima
alternative
maxie.
schreien.
beschreiung
befreiung.
dann:
leben
Die Schreibwerkzeugkiste soll
im nächsten Heft fortgesetzt werden und dazu wäre es gut, wenn mehrere Leute
sich daran beteiligen.
Sumsel Bobbeck